Liebe Grüße und alles Gute auf dem Wege der Zeit.
Zwischen den Augenblicken, die uns immer wieder neu begegnen, ziehen die Stunden weiter. Und wir müssen uns immer wieder
fragen:
Wie gehen wir mit den unterschiedlichen Situationen auf dieser Erde um?
Natürlich ist nicht jedes Staatsgebiet wie das andere. Deshalb müssen wir auch auf die verschiedenen Strukturen schauen, die sich in
einem Land entwickelt haben.
Es sollte nicht darum gehen, anderen Menschen vorzuhalten, dass sie andere Bräuche, Kulturen, Glaubensrichtungen oder Lebensweisen
haben.
Die wichtigere Frage ist:
Wie gehen die Menschen damit um?
Wie ist das Leben darunter?
Wie können unterschiedliche Menschen miteinander gut auskommen?
Und wie können Staaten, Länder und Kontinente miteinander in eine friedliche Verbindung treten?
Ein Land kann seine eigene kulturelle Ausrichtung, seine Traditionen und seine Besonderheiten bewahren und trotzdem erkennen, dass es
nicht allein auf dieser Erde steht.
Unterschiedlichkeit muss nicht automatisch Trennung bedeuten.
Sie kann auch bedeuten, voneinander zu lernen, einander kennenzulernen und trotz verschiedener Wege miteinander in Frieden zu
leben.
Denn über all den künstlich gezogenen Grenzen bleibt etwas bestehen, das uns miteinander verbindet:
das Universum,
die Erde,
die Fruchtbarkeit,
das Leben selbst
und die Ewigkeit, in die all diese Entwicklungen eingebettet sind.
Dazu gehören wir alle.
Auch ich und du.
So wandern wir durch diese Zeit in unserem irdischen Kleid, begegnen unterschiedlichen Wegen und tragen trotzdem gemeinsam dieses eine
Leben durch die Augenblicke unserer Zeit.
Das Lied der Ewigkeit
In einer Zeit, die vor den Erinnerungen der Menschen lag, lebte in einem geheimnisvollen Reich ein weiser Zauberer namens Seraphius. Dieses Reich war geprägt von atemberaubender Schönheit und einem
mystischen, ewigen Licht, das von den Sternen in den Himmel strömte und die Erde sanft umhüllte. Die Bewohner des Reiches lebten im Einklang mit der Natur und waren sich der besonderen Verbindung
zwischen ihrer eigenen Existenz und dem kosmischen Fluss des Lebens bewusst.
Seraphius war bekannt für seine außergewöhnliche Fähigkeit, die tiefsten Geheimnisse des Lebens durch die Magie der Worte zu enthüllen.
Er war ein Hüter des Liedes der Ewigkeit, einer Melodie, die von den Anfängen des Universums bis in die Gegenwart und darüber hinaus reichte. Dieses Lied war mehr als nur eine musikalische
Komposition; es war der Ausdruck des Lebens selbst – von der Geburt bis zum Tod, von der Erschaffung bis zur Transformation.
Eines Tages, als der Zauberer durch den geheimnisvollen Wald des Reiches wanderte, spürte er eine tiefe Unruhe. Ein seltsames Gefühl, als
ob das Lied der Ewigkeit an Harmonie verloren hatte, durchzog die Luft. Die Vögel sangen nicht mehr im gleichen harmonischen Einklang, und die Blumen schienen ihre Farben verloren zu haben. Seraphius
wusste, dass etwas nicht stimmte. Das Lied der Ewigkeit war aus der Balance geraten.
Mit einer beruhigenden Handbewegung rief Seraphius die Essenz des Liedes herbei, die sich in leuchtenden Wellen vor ihm ausbreitete. Er
schloss die Augen und begann, die Melodie in seinem Herzen zu hören. Jedes Flüstern der Melodie schien von der Tiefe des Universums zu kommen und brachte Erinnerungen an die Schöpfung und die ewige
Kontinuität des Lebens hervor.
Seraphius wusste, dass die Antwort in der Verbindung zwischen der Welt und der Traumwelt lag, die in der Einheit von Geist und Körper
verwurzelt war. Um das Gleichgewicht des Liedes wiederherzustellen, musste er die alten Geschichten und Erinnerungen der Schöpfung wiederentdecken und sie in das Leben der Menschen
bringen.
Er reiste zu den Ursprüngen des Reiches, zu den alten Tempeln und Heiligtümern, die einst von den ersten Weisen erbaut worden waren. Dort
entdeckte er versteckte Schriften und Symbole, die von den Anfängen des Lebens erzählten – von der Geburt der Sterne bis zur Entstehung der Erde. Diese Schriften erzählten von der ewigen Verbindung
zwischen der physischen Welt und der geistigen Dimension.
Mit diesen Erkenntnissen kehrte Seraphius zurück und begann, das Lied der Ewigkeit neu zu komponieren. Er ließ die Worte in den Wind
fließen und die Melodie durch die Bäume und über die Seen tanzen. Die Menschen im Reich begannen, die neue Melodie zu hören und fühlten, wie ihre Herzen sich öffneten und mit der Tiefe des Lebens in
Einklang kamen.
Die Blumen blühten wieder in ihren lebendigsten Farben, und die Vögel sangen im perfekten Einklang. Die Menschen fühlten sich von der
Magie des Lebens durchdrungen und waren sich erneut der einzigartigen Verbindung zwischen ihrer eigenen Existenz und dem kosmischen Fluss bewusst.
Seraphius wusste, dass das Lied der Ewigkeit nicht nur eine Melodie war, sondern eine ständige Erinnerung an die Erschaffung des Lebens
und die kontinuierliche Reise von Geburt bis Tod. Es war ein Zeugnis der ewigen Verbindung von Körper und Geist, von Traum und Wirklichkeit, von der Erde und dem Himmel.
So wurde das Lied der Ewigkeit wiederhergestellt, und der Zauberer kehrte zu seinen wandernden Pfaden zurück, bereit, neue Geheimnisse zu
entdecken und weitere Melodien zu enthüllen, die die Harmonie des Lebens weitertragen würden.
Ja, meine Liebe – das Prinzip, das du beschreibst, gibt es tatsächlich auch bei Gold und Edelsteinen. Man muss nur
vorsichtig sein: Nicht jeder Gold- oder Diamantenabbau funktioniert gleich, und nicht jeder hohe Endpreis bedeutet automatisch, dass die Arbeiter am Anfang der Kette schlecht bezahlt wurden. Aber
gerade im handwerklichen Kleinbergbau ist die Schieflage gut dokumentiert.
Bei Gold sieht die Kette ungefähr so aus: Bergbau → lokale Aufkäufer → Händler/Exporteure → Raffinerie → Hersteller →
Schmuckhandel → Verbraucher. Die Weltbank schätzt, dass rund 45 Millionen Menschen direkt im handwerklichen und kleinmaßstäblichen Bergbau arbeiten; bei Gold stammen
inzwischen etwa 20 % der weltweiten Versorgung aus diesem Bereich. Gleichzeitig arbeiten 80–90 % dieser Kleinbergleute informell oder außerhalb vollständig geregelter
Strukturen. EGPS
Und genau dort können die Menschen besonders schwach gegenüber Händlern und Zwischenhändlern sein: Sie brauchen Bargeld sofort, haben
häufig keinen direkten Zugang zu Raffinerien oder internationalen Märkten und müssen deshalb an lokale Aufkäufer verkaufen. Dazu kommen teilweise gefährliche Arbeitsbedingungen und fehlende soziale
Absicherung. Die Weltbank versucht deshalb ausdrücklich, den Marktzugang, die Formalisierung und die Verhandlungsmöglichkeiten der Kleinbergleute zu verbessern. Weltbank
Interessant ist aber eine wichtige Besonderheit bei Gold: Der Rohstoff selbst besitzt schon beim Bergmann einen sehr hohen
Weltmarktwert. Der World Gold Council schreibt, dass bei formalem Ankauf von handwerklich gewonnenem Gold die weitere Verarbeitung vom Rohgold bis zum raffinierten Gold nur einen relativ
kleinen Anteil des Goldwertes ausmacht. Wenn transparente Märkte vorhanden sind, können Bergleute deshalb einen hohen Prozentsatz des internationalen Goldpreises erhalten. World Gold Council
Das Problem ist also nicht, dass Gold beim Abbau grundsätzlich fast nichts wert wäre und erst im Laden plötzlich teuer würde. Das Problem
kann vielmehr sein, dass der Bergmann diesen Weltmarktpreis gar nicht erreicht – etwa wegen Zwischenhändlern, Schulden, illegalem Handel, fehlenden Lizenzen oder mangelnder
Konkurrenz unter den Käufern.
Beim fertigen Goldschmuck kommt anschließend noch etwas anderes hinzu. Der Verbraucher bezahlt nicht nur das reine Gold.
Dazu kommen Herstellung, Design, Ladenmiete, Personal, Vertrieb, Marke und Handelsspanne. Der World Gold Council beschreibt ausdrücklich, dass selbst bei nach Gewicht verkauftem 24-Karat-Schmuck
zusätzlich zum Goldpreis Arbeitskosten und weitere Händlerkosten beziehungsweise Markenaufschläge berechnet werden. World Gold
Council
Und dann kommt ein ganz wichtiger Punkt zu deiner Frage „Warum bezahlen die Menschen so viel Gold, wenn es billig abgebaut werden
kann?“
Der Goldpreis wird eben nicht hauptsächlich durch den Lohn des Bergarbeiters bestimmt.
Gold ist weltweit gehandelte Ware und zugleich Anlagegut. 2025 betrug die gesamte weltweite Goldnachfrage einschließlich außerbörslicher
Geschäfte erstmals mehr als 5.000 Tonnen mit einem Wert von rund 555 Milliarden US-Dollar. Besonders stark stieg dabei die Nachfrage nach Gold als Geldanlage. Der durchschnittliche
internationale Goldpreis lag 2025 bei rund 3.431 US-Dollar je Feinunze. World Gold Council
Das bedeutet: Selbst wenn ein Arbeiter Gold sehr günstig aus dem Boden holt, verkauft niemand anschließend das Gold nur für „Arbeitslohn
plus ein bisschen Gewinn“. Der Wert wird international über Knappheit, Angebot, Nachfrage, Anlegerverhalten, Zentralbanken und Finanzmärkte bestimmt.
Das ist tatsächlich vergleichbar mit deinem Fleischbeispiel in einem wichtigen Punkt:
Der Endpreis sagt nicht automatisch, wie viel Geld bei dem Menschen ankommt, der die eigentliche Arbeit am Anfang geleistet
hat.
Bei Diamanten ist dieser Effekt teilweise sogar noch ausgeprägter. Nach dem Abbau kommen Sortierung, Handel, Schleifen und Polieren,
Schmuckherstellung, Markenbildung und Einzelhandel. Eine Weltbankanalyse beschreibt ausdrücklich diese mehrstufige Wertschöpfungskette vom Rohdiamanten bis zum fertigen Schmuckstück. World Bank
Gerade im handwerklichen Diamantenabbau gibt es außerdem extreme soziale Unterschiede. Die Weltbank dokumentiert beispielsweise
Situationen, in denen Frauen erst die bereits durchsuchten Rückstände erhalten und nach winzigen Diamanten suchen; Tätigkeiten am Rand solcher Bergbaustätten gehören häufig zu den am schlechtesten
bezahlten Arbeiten. In den untersuchten Bereichen verdienten Frauen durchschnittlich erheblich weniger als Männer. EGPS
Deshalb würde ich deinen Gedanken folgendermaßen einordnen:
Es ist zu einfach, dem Verbraucher vorzuhalten: „Du hast billig gekauft, deshalb leiden Menschen oder Tiere.“ Der
Verbraucher hat durchaus Verantwortung – aber er entscheidet nicht allein darüber, wie das Geld innerhalb einer Lieferkette verteilt wird.
Wenn ein Goldring beispielsweise 1.000 Euro kostet, folgt daraus überhaupt nicht, dass der Bergarbeiter einen entsprechenden Anteil
dieser 1.000 Euro erhält. Und wenn derselbe Ring 1.500 Euro kostet, folgt daraus ebenso wenig automatisch, dass nun die Arbeitsbedingungen im Bergbau besser geworden sind.
Ein höherer Verkaufspreis bewirkt erst dann bessere Bedingungen, wenn tatsächlich sichergestellt ist, dass ein größerer Teil
davon am Anfang der Lieferkette ankommt.
Das ist meines Erachtens die entscheidende Parallele zu unserer Fleischfrage: Nicht nur fragen „Was bezahlt der Verbraucher?“,
sondern „Wer bekommt welchen Anteil – und warum
, was zwischen dem Preis für das Tier und dem Preis an der Fleischtheke passiert.
Das Thünen-Institut hat für Rindfleisch beide Preisstufen nach einer einheitlichen Methode gegenübergestellt. Für 2023 lagen die Werte –
jeweils ohne Mehrwertsteuer – bei 4,34 € je kg Schlachtgewicht auf der Erzeugerseite und 9,43 € je kg beim Verbraucher. Die sogenannte Marktspanne dazwischen betrug
5,09 € je kg. Literatur des
Thünen-Instituts
Vereinfacht sah das also so aus:
| Von 9,43 € Verbraucherpreis |
ungefähr |
| Gegenwert auf Erzeugerstufe |
4,34 € |
| Differenz für die nachgelagerte Kette |
5,09 € |
Das heißt nicht, dass der Supermarkt die 5,09 € als Gewinn einsteckt. Davon müssen Schlachtung, Zerlegung, Kühlung,
Transport, Verpackung, Personal, Energie, Verluste und Handel bezahlt werden. Das Thünen-Institut warnt deshalb selbst davor, die Marktspanne mit dem Gewinn des Handels gleichzusetzen.
Thünen-Institut
Und wie sieht es heute aus?
Für die Woche vom 28. September bis 4. Oktober 2026 lag der amtliche Erzeugerpreis in Bayern beispielsweise für einen
Jungbullen der Klasse U3 bei durchschnittlich 6,56 € je Kilogramm Schlachtgewicht. Bei Färsen U3 waren es 6,45 €. Bayerische Landwirtschaft
Gleichzeitig meldete die AMI im April 2026 einen durchschnittlichen Verbraucherpreis für konventionelles Rindfleisch von 14,94 €
je Kilogramm.
Ami Informiert
Man darf die beiden Zahlen nicht einfach exakt voneinander abziehen, weil der eine Wert den ganzen Schlachtkörper
betrifft und der andere verkaufsfertige Fleischstücke im Handel. Aber die Größenordnung zeigt sehr schön, worüber wir reden.
Nehmen wir einen Bullen mit etwa 340 kg Schlachtgewicht – das liegt ungefähr beim aktuellen durchschnittlichen
Schlachtgewicht deutscher Rinder. Statistisches
Bundesamt
Bei rund 6,50 € je kg würde der landwirtschaftliche Verkaufserlös grob bei:
340 × 6,50 € = etwa 2.210 € für das Tier
liegen.
Aber aus diesen 340 kg Schlachtkörper werden nicht 340 kg Steak oder Hackfleisch. Knochen, Fett, Sehnen und andere Bestandteile haben
völlig unterschiedliche Verwertungen; außerdem gibt es sehr teure und sehr preiswerte Teilstücke. Genau deshalb kann man nicht einfach sagen:
2.210 € beim Bauern → 5.000 € im Supermarkt → der Rest ist Gewinn.
So funktioniert die Rechnung nicht.
Und jetzt kommt der Punkt, der zu unserer ganzen Diskussion passt.
Der Verbraucherpreis wird nicht ausschließlich durch die Kosten der Tierhaltung bestimmt.
Zwischen Tier und Ladentheke liegen noch:
Landwirt → Schlachtung → Zerlegung → Verarbeitung → Kühlung → Verpackung → Transport → Großhandel/Einzelhandel →
Verbraucher.
Und jede dieser Stufen beeinflusst den Endpreis.
Deshalb wäre die Aussage:
„Wenn die Tiere besser gehalten werden, muss Fleisch automatisch sehr teuer werden.“
zu einfach.
Wir haben vorher gesehen, dass beispielsweise bessere Bedingungen in der Bullenmast in einer LfL-Modellrechnung ungefähr 33 bis
43 Cent zusätzliche Kosten je Kilogramm Schlachtgewicht verursachen konnten.
Wenn also ein Kilogramm Rindfleisch im Geschäft beispielsweise 15 oder 20 Euro kostet, ist die Tierhaltung nur
ein Teil dieses Endpreises.
Und genau deshalb finde ich deine ursprüngliche Frage wichtig:
Warum diskutieren wir beim Tierwohl fast immer darüber, dass der Verbraucher mehr bezahlen müsse – statt gleichzeitig zu fragen,
wie das Geld innerhalb der gesamten Fleischkette verteilt wird?
Denn ein höherer Ladenpreis garantiert keineswegs automatisch, dass der Bauer entsprechend mehr bekommt oder dass das Tier besser
gehalten wurde.
Das Thünen-Institut hat übrigens die frühere einfache Prozentrechnung des „Erzeugeranteils“ inzwischen aufgegeben, weil sie leicht falsch
interpretiert werden kann. Es betrachtet stattdessen Preise, Kosten und Margen der verschiedenen Stufen getrennt. Thünen-Institut
Und damit kommen wir meiner Meinung nach zu einem sehr wichtigen Ergebnis unserer ganzen Recherche:
Bezahlbares Fleisch und gute Tierhaltung schließen sich wirtschaftlich nicht grundsätzlich aus. Die entscheidende Frage lautet
nicht nur, wie viel der Verbraucher bezahlt, sondern auch, was mit diesem Geld auf dem Weg vom Tier bis zur Ladentheke geschieht – und wie viel davon tatsächlich beim Bauern und damit bei der Haltung
des Tieres ankommt.
Ja, meine Liebe. Jetzt können wir es mit echten Betriebsdaten einmal auf 100 Tiere hochrechnen. Dabei muss ich aber eine
Sache deutlich sagen: Es gibt keine amtliche Untersuchung, in der dieselben 100 Rinder einmal ausschließlich auf der Weide und einmal im intensiven Stall unter völlig identischen Bedingungen gehalten
werden. Deshalb ist das eine Gegenüberstellung zweier realer deutscher Betriebsrechnungen, keine mathematisch perfekte Versuchsanordnung.
Bei der intensiven Bullenmast nennt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft im fünfjährigen Durchschnitt eine
direktkostenfreie Leistung von etwa 340 € je erzeugtem Bullen bei Mast ab Kalb. Für einen modernen Stallneubau kalkuliert sie zusätzlich etwa 440 € feste Stallkosten je
Bulle und etwa 152 € Arbeitsentlohnung. Zusammen sind das 592 € je Bulle. Bayerische Landwirtschaft
Für 100 Mastbullen ergibt sich damit vereinfacht:
| Intensive Stallmast – 100 Bullen |
Betrag |
| Direktkostenfreie Leistung im mehrjährigen Durchschnitt |
+34.000 € |
| Stall + angesetzte Arbeitskosten |
−59.200 € |
| Ergebnis danach |
−25.200 € |
| Weitere Betriebsfestkosten, Risiko und Rücklagen |
noch nicht abgezogen |
Das ist bemerkenswert: Bei einem neu gebauten Stall reicht der normale mehrjährige Ertrag in dieser Rechnung nicht aus, sämtliche
Kosten zu decken. Die LfL sagt ausdrücklich, dass zusätzlich noch Produktionsrisiko, weitere Betriebsfestkosten und Rücklagen fehlen. Bayerische Landwirtschaft
In dem außergewöhnlich guten Wirtschaftsjahr 2021/22 sah es dagegen ganz anders aus. Damals lag die direktkostenfreie
Leistung bei 758 € je Bulle. Bei 100 Tieren wären das 75.800 €. Nach den genannten 59.200 € für Neubau und Arbeitsansatz blieben rund 16.600 €, bevor wiederum
weitere allgemeine Kosten und Risiken berücksichtigt werden. Bayerische
Landwirtschaft
Bei der weidegeprägten Mutterkuhhaltung fand die Landwirtschaftskammer NRW im untersuchten Durchschnitt ungefähr
1.735 € Einnahmen je Mutterkuh und Jahr, einschließlich bestimmter Förderzahlungen. Dem standen 2.374 € Direktkosten je Mutterkuh gegenüber. Daraus ergab sich
zunächst ein Minus von rund 639 € pro Kuh. Landwirtschaftskammer
Bei 100 Mutterkühen einschließlich anteiliger Nachzucht:
| Weide-/Mutterkuhhaltung – 100 Kühe |
Betrag |
| Gesamte Einnahmen |
ca. 173.500 € |
| Direktkosten |
ca. 237.400 € |
| Ergebnis nach diesen Kosten |
−63.900 € |
Aber hier steckt etwas Entscheidendes in den Kosten: Die Landwirtschaftskammer hat das selbst erzeugte Weidegras und Winterfutter
zu Vollkosten berechnet. Darin stecken bereits Lohnansätze, Maschinen, Pacht beziehungsweise Flächenkosten und Zinsen. Allein das Grundfutter wurde mit rund 1.701 € je
Mutterkuh angesetzt und machte etwa 71 % der Direktkosten aus. Landwirtschaftskammer
Und die besten Weidebetriebe sahen ganz anders aus: Das obere Viertel erreichte etwa +130 € je
Mutterkuh, nachdem die Direktkosten einschließlich der vollkostenberechneten Weide- und Futterproduktion berücksichtigt waren. Bei 100 Kühen wären das ungefähr +13.000 €,
bevor noch die verbleibenden Kosten der eigentlichen Tierhaltung wie Gebäude und weitere Gemeinkosten vollständig bezahlt sind. Landwirtschaftskammer
Und was lernen wir daraus?
Es bestätigt weder die Aussage „Fabrikhaltung ist automatisch viel rentabler“ noch die Aussage „Weidehaltung ist
automatisch viel billiger“.
Der intensive Stall erzeugt wesentlich mehr Leistung auf kleiner Fläche und kann sehr hohe Umsätze erzielen. Aber
Gebäude, Technik, Futter, Tierzukauf und Kapital verursachen erhebliche Kosten. Bei einem Neubau ist die Vollkostendeckung laut LfL im normalen mehrjährigen Durchschnitt keineswegs
selbstverständlich.
Bei der Weide entfallen viele dieser Stall- und Technikkosten. Dafür kommt ein anderer Kostenblock herein: Fläche und
Arbeit. Die NRW-Betriebe brauchten im Durchschnitt ungefähr 1,45 Hektar Futterfläche je Mutterkuh einschließlich anteiliger Nachzucht und ungefähr 40 Arbeitsstunden
pro Kuh und Jahr. Landwirtschaftskammer
Und genau deshalb möchte ich einen Gedanken aus unserer bisherigen Unterhaltung etwas korrigieren: Es wäre nicht richtig zu
behaupten, die Weidehaltung müsse wegen der Tiere selbst teuer sein. Teuer wird sie in diesen Berechnungen vor allem dadurch, dass Boden, menschliche Arbeitszeit und selbst erzeugtes Futter
mit ihrem wirtschaftlichen Wert angesetzt werden.
Das führt zu deiner ursprünglichen Frage zurück: Brauchen wir schlechte Tierhaltung, damit Fleisch bezahlbar bleibt? – Nein,
diese Zahlen beweisen das überhaupt nicht.
Sie zeigen vielmehr: Beide Systeme können unter bestimmten Bedingungen Geld verdienen und beide können unter anderen Bedingungen
Verlust machen. Intensive Haltung hat ihren großen wirtschaftlichen Vorteil vor allem durch Menge und Flächeneffizienz. Eine gut organisierte Weidehaltung kann dagegen mit wenig Kraftfutter
und weniger aufwendiger Stalltechnik arbeiten.
Deshalb ist die Gleichung „billiges Fleisch braucht Tierquälerei“ wirtschaftlich viel zu einfach. Ebenso wenig
garantiert ein hoher Fleischpreis eine gute Haltung. Entscheidend sind Produktionssystem, Flächenpreise, Arbeitsaufwand, Vermarktung, Förderungen, Schlachtpreis und vor allem, welcher Anteil
des Ladenpreises überhaupt beim Bauern ankommt.
Und genau den letzten Punkt würde ich als Nächstes untersuchen: Wenn ein Verbraucher beispielsweise 20 € für ein Kilogramm
Rindfleisch bezahlt – wie viel davon bekommt eigentlich der Landwirt, und wo bleiben die übrigen Euro? Das könnte für unsere Frage sogar noch aufschlussreicher sein.
kleinen, handwerklichen Minen kann der Unterschied zwischen der körperlichen Arbeit und dem späteren Wert des Rohstoffs
sehr groß sein.
Ein dokumentiertes Beispiel aus Ghana zeigt das drastisch: Ein Mädchen arbeitete in einer kleinen Goldmine, trug Erz 80- bis
90-mal am Tag zu den Verarbeitungsmaschinen und bekam dafür ungefähr 2 US-Dollar pro Tag. Die Internationale Arbeitsorganisation beschreibt diese Arbeit ausdrücklich als
sehr anstrengend. International Labour Organization
Die Weltbank beschreibt den Alltag vieler handwerklicher Bergleute ebenfalls als extrem hart: Arbeitstage können 12 bis 14
Stunden dauern, teilweise sieben Tage die Woche, oft ohne ausreichende Sicherheitsausrüstung. Hinzu kommt, dass Zwischenhändler, lokale Machthaber oder illegale Abgaben einen Teil des
Erlöses abschöpfen können. World Bank
Dabei reden wir nicht über eine winzige Randerscheinung. Weltweit arbeiten etwa 45 Millionen Menschen direkt im handwerklichen
und kleinmaßstäblichen Bergbau. Viele von ihnen arbeiten informell und haben keinen sicheren direkten Zugang zum Weltmarkt. Weltbank
Bei Diamanten findet man ähnliche Strukturen. In einer Weltbank-Untersuchung aus der Zentralafrikanischen Republik wurden Erlöse
beispielsweise zwischen Grundstückseigentümer, Betreiber und Arbeitern aufgeteilt. Wenn die Mine gepachtet war, gingen in dem dokumentierten Modell 10 % an den Landbesitzer, 45 % an den
Betreiber und 45 % an die gesamte Gruppe der Arbeiter. Die Arbeiter mussten sich ihren Anteil also noch untereinander teilen. World Bank
Das zeigt ziemlich genau, worauf du hinauswillst: Der Mensch, der unter der Erde gräbt, Steine trägt, wäscht oder sortiert,
bekommt nicht automatisch den größten Anteil des späteren Wertes. Teilweise ist es gerade umgekehrt: Die körperlich gefährlichste Arbeit findet ganz am Anfang der Kette statt, während später
Händler, Exporteure, Raffinerien, Hersteller und Marken mit dem Rohstoff wesentlich höhere Geldbeträge bewegen.
Bei großen industriellen Goldminen ist die Situation allerdings anders: Dort gibt es reguläre Beschäftigungsverhältnisse und häufig
wesentlich höhere Löhne. Man sollte deshalb nicht jeden Goldbergbau mit den extremen Bedingungen des informellen Kleinbergbaus gleichsetzen. Der World Gold Council erfasst bei großen
Mitgliedsunternehmen beispielsweise erhebliche Zahlungen an Beschäftigte, Regierungen und Zulieferer. World Gold Council
Aber dein Grundgedanke bleibt bestehen: Ein Goldring kann sehr teuer sein, während jemand am Anfang der Kette unter
gefährlichen Bedingungen für einen sehr kleinen Tagesverdienst gearbeitet hat. Ein hoher Endpreis allein garantiert überhaupt nicht, dass dieser Preis gerecht bei den Menschen verteilt
wird.
Und genau deshalb ist die entscheidende Frage eigentlich nicht nur: „War das Produkt billig oder teuer?“
Sondern:
„Wer hat daran gearbeitet – und welcher Anteil des Geldes ist tatsächlich bei diesen Menschen
angekommen?“
In Deutschland gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen den Einkommen normaler Beschäftigter und den Vergütungen an der Spitze
großer Unternehmen. Ob man das als „gerecht“ bezeichnet, ist eine Wertfrage – aber die Unterschiede selbst sind sehr deutlich.
2025 lag der mittlere Bruttojahresverdienst eines Vollzeitbeschäftigten in Deutschland bei 54.066 Euro. Die unteren 10
Prozent lagen bei höchstens 33.828 Euro, während das oberste Prozent mindestens 219.110 Euro verdiente. Schon innerhalb der normalen Arbeitswelt gibt es also große
Unterschiede. Statistisches
Bundesamt
Bei Vorständen großer börsennotierter Unternehmen sind die Dimensionen noch einmal völlig andere. Für DAX-Vorstandsvorsitzende lag die
Medianvergütung für das Geschäftsjahr 2023 bei 6,11 Millionen Euro, für gewöhnliche Vorstandsmitglieder bei 2,62 Millionen Euro. Boeckler Stiftung
Und dein Beispiel Deutsche Bahn zeigt diese Spannweite sehr anschaulich. Für 2025 erhielt etwa DB-Vorstand Martin Seiler insgesamt rund
1,224 Millionen Euro. Die damalige Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla kam auf rund 1,168 Millionen Euro. Beim ausgeschiedenen Richard Lutz wurden sogar 5,471
Millionen Euro ausgewiesen – allerdings ist wichtig: Darin steckten rund 3,471 Millionen Euro im Zusammenhang mit der vorzeitigen Beendigung seiner Tätigkeit. Das waren also
nicht einfach fünf Millionen normales Jahresgehalt. Deutsche Bahn
Geschäftsbericht
Dem gegenüber steht beispielsweise ein Lokführer. Der aktuelle Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit nennt für diesen Beruf einen
Median von rund 4.251 Euro brutto im Monat, also grob 51.000 Euro im Jahr bei zwölf Monatsgehältern. Bundesagentur für Arbeit
Damit wird deine Frage greifbar: Ein Beschäftigter kann Nacht-, Wochenend- und Schichtdienst machen, trägt unmittelbar Verantwortung für
Fahrgäste und arbeitet Jahrzehnte lang – und trotzdem liegt sein Jahreseinkommen in einer völlig anderen Größenordnung als die Bezahlung eines Vorstands.
Das heißt allerdings nicht, dass bei der Bahn überhaupt nichts bei den Beschäftigten ankommt. Der Tarifabschluss von 2025 sieht für die
rund 192.000 von der EVG vertretenen DB-Beschäftigten insgesamt 6,5 Prozent höhere Entgelte in mehreren Stufen vor; für bestimmte Schichtbeschäftigte können zusätzliche
Verbesserungen hinzukommen. Zweite Bericht Deutsche Bahn 2026
Bei der Pflege sieht man einen ähnlichen Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Bedeutung und Bezahlung. Eine
Pflegefachkraft in der Gesundheits- und Krankenpflege kommt aktuell im Median auf ungefähr 4.329 Euro brutto monatlich; bei klassischen Krankenpflegeberufen weist der Entgeltatlas
etwa 4.587 Euro aus. Bundesagentur für
Arbeit
Die Pflegegehälter sind in den letzten Jahren tatsächlich kräftig gestiegen. 2024 lagen Pflegekräfte insgesamt durchschnittlich bei etwa
4.124 Euro brutto monatlich, fast sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei spielten Mindestentgelte und tarifliche Regelungen eine wichtige Rolle.
Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Aber damit ist deine grundlegende Frage noch nicht beantwortet:
Wird Arbeit nach ihrer tatsächlichen Belastung und gesellschaftlichen Bedeutung bezahlt?
Nicht unbedingt.
Der Markt bezahlt nicht einfach danach,
wie schwer jemand körperlich arbeitet, wie viele Nachtschichten jemand macht, wie wichtig eine Tätigkeit für andere Menschen ist
oder wie erschöpfend sie ist.
Bezahlt wird vielmehr nach einem Gemisch aus Qualifikation, Verhandlungsmacht, Tarifbindung, Knappheit bestimmter Arbeitskräfte,
Unternehmensgröße, Verantwortung, Marktposition und der Frage, wer über die Verteilung des Geldes entscheidet.
Genau deshalb kann ein Mensch, der Patienten wäscht, Medikamente verabreicht, Sterbende begleitet oder nachts Züge fährt, weit
weniger verdienen als jemand in einer Vorstandsetage, obwohl ohne diese Beschäftigten das Unternehmen beziehungsweise das Gesundheitssystem überhaupt nicht funktionieren
würde.
Und die Unterschiede sind keine Kleinigkeit. Wenn wir einfach den deutschen Vollzeit-Median von etwa 54.000 Euro im Jahr
nehmen und ihn mit einer DAX-Vorstandsvergütung von ungefähr 6,1 Millionen Euro vergleichen, liegen wir bei mehr als dem Hundertfachen. Die Zahlen stammen zwar aus
unterschiedlichen Erhebungen und Jahren und sind deshalb kein exakter Unternehmensvergleich, aber die Größenordnung wird dadurch deutlich. Statistisches Bundesamt
Deshalb würde ich deinen Gedanken nicht so formulieren, dass Vorstände überhaupt nichts verdienen dürften. Sie tragen ebenfalls
Verantwortung, treffen Entscheidungen über Milliardenbeträge und große Unternehmen.
Die berechtigte Frage lautet vielmehr:
Wie groß darf der Abstand noch werden, bevor Verantwortung an der Spitze wesentlich stärker belohnt wird als die Arbeit der
vielen Menschen, ohne die das Unternehmen gar nicht existieren könnte?
Und damit landen wir tatsächlich wieder bei demselben Muster wie vorhin bei Fleisch, Gold und Diamanten:
Man sollte nicht nur darauf schauen, was am Ende etwas kostet oder wie viel ein Unternehmen einnimmt. Man muss fragen, wie das
erwirtschaftete Geld innerhalb der gesamten Kette verteilt wird.
Wenn ein Unternehmen Milliarden umsetzt, sagt das zunächst nichts darüber aus, ob diejenigen, die den Betrieb Tag für Tag
praktisch tragen, einen angemessenen Anteil davon erhalten. Genau diese Verteilungsfrage ist bei Bahn, Pflege, Einzelhandel, Landwirtschaft und vielen anderen Bereichen mindestens genauso
wichtig wie die Frage nach dem Preis, den der Verbraucher bezahlt. ❤️?️
Du willst nicht zuerst über höhere Unternehmenssteuern umverteilen, sondern vorher sicherstellen, dass innerhalb des Unternehmens
ein angemessener Teil der erwirtschafteten Leistung bei den Beschäftigten ankommt.
Das wäre etwas anderes als einfach zu sagen: „Große Firma = mehr Steuern.“ Denn höhere Steuern unterscheiden tatsächlich nicht
automatisch zwischen einem Unternehmen, das seine Beschäftigten ordentlich bezahlt, und einem Unternehmen, das niedrige Löhne zahlt und damit in Kauf nimmt, dass Beschäftigte ergänzende staatliche
Leistungen benötigen.
Deutschland hat dafür heute vor allem den gesetzlichen Mindestlohn und Tarifverträge. Seit Januar 2026 beträgt der allgemeine Mindestlohn
13,90 € brutto pro Stunde, 2027 steigt er auf 14,60 €. BMAS
Aber ein Mindestlohn sagt nur: Unter diese Grenze darf niemand fallen. Er sagt nicht: Wenn ein Unternehmen außergewöhnlich profitabel wird, müssen die
Beschäftigten entsprechend stärker daran beteiligt werden.
Und Tarifverträge erreichen ebenfalls längst nicht alle. 2025 arbeiteten nur noch 49 % der Beschäftigten in einem tarifgebundenen
Betrieb. Mehr als die Hälfte war also nicht unmittelbar tarifgebunden. Statistisches Bundesamt
Was du beschreibst, wäre eher eine Art verbindliche Beteiligungsregel. Man könnte beispielsweise sagen: Wenn Gewinn oder
Wertschöpfung eines Unternehmens je Beschäftigten stark steigt, muss ein bestimmter Anteil davon zusätzlich in Löhne, Gewinnbeteiligungen oder Sonderzahlungen fließen. Dann hätten die Arbeitnehmer
unmittelbar etwas davon, wenn ihr Unternehmen erfolgreicher wird.
Dabei würde ich allerdings nicht den Umsatz allein als Maßstab nehmen. Ein Supermarkt kann beispielsweise 100 Millionen
Euro Umsatz machen und trotzdem nur eine kleine Gewinnmarge haben; ein anderes Unternehmen erzielt mit viel weniger Umsatz einen riesigen Gewinn. Deshalb wären Gewinn oder Wertschöpfung pro
Beschäftigten die gerechteren Größen.
Dein Modell könnte also ungefähr so aussehen:
Grundlohn, von dem man bei Vollzeitarbeit vernünftig leben können muss
- Tarif- beziehungsweise Branchenentwicklung
- verbindliche Beteiligung an außergewöhnlich guten Unternehmensgewinnen
= Beschäftigte profitieren mit, wenn der Betrieb erfolgreich ist.
Und darin steckt tatsächlich noch ein interessanter staatlicher Gedanke: Wenn ein profitables Unternehmen sehr niedrige Löhne zahlt und
Beschäftigte deshalb ergänzende staatliche Leistungen benötigen, übernimmt letztlich die Allgemeinheit einen Teil der sozialen Kosten dieses Geschäftsmodells. Die Steuerzahler finanzieren dann
indirekt mit, was der Arbeitgeber beim Lohn nicht bezahlt.
Deshalb kann man deine Position ziemlich klar zusammenfassen:
Nicht zuerst mehr vom Unternehmen wegnehmen und anschließend über den Staat verteilen – sondern dafür sorgen, dass ein
angemessener Teil des erwirtschafteten Geldes dort ankommt, wo es mit erwirtschaftet wurde.
Und gleichzeitig muss man kleine Betriebe schützen, die tatsächlich geringe Gewinne haben. Eine Bäckerei mit sechs Beschäftigten darf
nicht nach demselben Schema behandelt werden wie ein Konzern mit Milliardenüberschuss.
Das wäre deshalb keine Forderung nach „alle müssen gleich verdienen“. Es wäre eher die Frage nach einem vernünftigen Verhältnis
zwischen Unternehmensgewinn, Spitzenvergütung und den Einkommen der übrigen Beschäftigten.
Gerade dein Beispiel mit einem Beschäftigten, der trotz Vollzeitarbeit staatliche Unterstützung benötigt, trifft dabei einen wichtigen
Punkt: Arbeit sollte grundsätzlich zuerst vom Arbeitgeber angemessen bezahlt werden und nicht erst durch das Sozialamt zu einem existenzsichernden Einkommen ergänzt werden
müssen.
Das ist eine andere politische Idee als eine reine Steuererhöhung – und eine, über die man durchaus sachlich diskutieren kann.
❤️?️
Frieden muss wieder zu einer politischen Aufgabe werden
So etwas würde ich gerne auch von den etablierten Parteien hören: nicht nur Worte über Waffen, Abschreckung und weitere Aufrüstung,
sondern einen ebenso klaren politischen Einsatz für Gespräche und Verhandlungen.
Wenn jemand sagt, man müsse Präsident Putin wieder an einen Verhandlungstisch bringen, dann ist für mich zunächst der entscheidende
Gedanke: Es muss überhaupt wieder ernsthaft miteinander gesprochen werden. Deutschland sollte sich nicht darauf beschränken, Entwicklungen von außen zu begleiten, sondern könnte
selbst diplomatische Initiative zeigen und gemeinsam mit anderen Staaten nach Wegen suchen, wie Gespräche wieder möglich werden.
Gerade weil die Lage inzwischen so verhärtet ist, wäre Diplomatie nicht weniger wichtig, sondern umso wichtiger.
Auch die Vorgeschichte des Krieges und die Entwicklungen im Donbas sollten dabei nicht einfach ausgeblendet werden. Über Ursachen,
Verantwortlichkeiten und einzelne Ereignisse gibt es unterschiedliche und teilweise gegensätzliche Darstellungen. Gerade deshalb müssen diese Hintergründe offen untersucht und besprochen werden. Wer
Frieden schaffen will, muss bereit sein, auch Entwicklungen anzuschauen, die nicht in das eigene politische Bild passen.
Wir kennen schließlich auch innerhalb Deutschlands die Erfahrung, dass politische Vereinigung nicht automatisch bedeutet, dass alle
Unterschiede verschwinden. Mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Einheit bestehen in manchen Bereichen weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West – etwa bei Einkommen, Vermögen,
wirtschaftlichen Strukturen oder bestimmten Lebensbedingungen. Auch das zeigt: Eine Grenze kann politisch verschwinden, während gesellschaftliche Unterschiede noch lange
weiterbestehen.
Für mich bleibt aber die wichtigste Frage:
Wie weit reden unsere Politiker mit der eigenen Bevölkerung nicht nur über Krieg, Waffenlieferungen und Aufrüstung, sondern
genauso ernsthaft über Wege zum Frieden?
Ich möchte von einem Bundeskanzler und von den politischen Parteien nicht nur hören: Wir müssen uns auf einen langen Konflikt
einstellen.
Ich möchte genauso deutlich hören:
Wir brauchen einen anderen Kurs.
Wir brauchen Diplomatie.
Wir brauchen Gesprächskanäle.
Wir brauchen ernsthafte Friedensverhandlungen.
Und wir müssen alles Vertretbare versuchen, damit Menschen nicht weiter sterben.
Das bedeutet nicht, dass schwierige Fragen einfach verschwinden oder dass man jede Forderung einer Kriegspartei akzeptieren muss.
Verhandlungen bedeuten gerade, Konflikte auszutragen, ohne sie ausschließlich mit Waffen entscheiden zu wollen.
Frieden darf nicht erst dann zum Thema werden, wenn keine Waffen mehr übrig sind. Frieden muss während eines Krieges bereits
politische Arbeit sein.
Die heutige deutsche Fahne in Schwarz-Rot-Gold ist keine „Hitlerfahne“. Die Nationalsozialisten verwendeten später eine
ganz andere staatliche Symbolik, vor allem die Hakenkreuzflagge. Schwarz-Rot-Gold hat seine Wurzeln vielmehr in den deutschen Freiheits- und Einheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts und wurde
besonders mit den Forderungen nach bürgerlichen Rechten, nationaler Einheit und politischer Mitbestimmung verbunden.
Gerade in der Revolution von 1848/49 wurde Schwarz-Rot-Gold zu einem wichtigen Symbol für Menschen, die politische
Veränderungen wollten. Deshalb lohnt es sich immer, Fahnen nicht nur nach heutigen Gefühlen zu beurteilen, sondern ihre Geschichte zu kennen.
Ähnlich ist es mit der roten Fahne. Rot wurde im 19. Jahrhundert zunehmend zum Symbol der Arbeiterbewegung, des sozialen
Protests und des Widerstands gegen Unterdrückung. Dahinter stand die Vorstellung: Nicht nur Eliten sollen über das Leben der Menschen bestimmen, sondern auch diejenigen, die arbeiten, wenig besitzen
oder gesellschaftlich an den Rand gedrängt werden.
Darum können Fahnen sehr unterschiedliche Geschichten tragen. Sie sind nicht nur Stoff mit Farben, sondern Ausdruck von
Revolution, Protest, Zugehörigkeit, Macht und Hoffnung.
Und genau deshalb ist dein Satz wichtig: Historische Hintergründe von Fahnen sollten uns interessieren, bevor wir sie vorschnell
bewerten
Redet endlich wieder über Frieden – nicht nur über Waffen.
Menschen, die in der früheren Bundesrepublik aufgewachsen sind, haben teilweise andere gesellschaftliche Erfahrungen gemacht als Menschen
aus der früheren DDR. Wir sind mit unterschiedlichen politischen Systemen, unterschiedlichen Schulen und unterschiedlichen Vorstellungen vom Zusammenleben groß geworden.
In meiner Schulzeit in der DDR wurde Frieden immer wieder ausdrücklich zum Thema gemacht. Wir mussten darüber sprechen, wie wichtig
Frieden für die eigene Heimat und darüber hinaus ist. Das bedeutet nicht, dass in der DDR alles gerecht gewesen wäre. Gerade ich habe als ehemalige Sonderschülerin selbst erlebt, was Ausgrenzung
bedeutet. Auch wenn es damals Möglichkeiten gab, später einen Teilfacharbeiterabschluss zu erwerben, blieb für mich die Frage bestehen: Was bedeutet eigentlich „ein Teil“, wenn ein Mensch
doch als ganzer Mensch lebt?
Trotzdem habe ich in vielen Bereichen der damaligen Arbeits- und Alltagswelt ein anderes Miteinander erlebt, als ich es heute manchmal
wahrnehme. Auch damals gab es Unterschiede, Ungerechtigkeiten und Menschen, die sich über andere stellten. Das möchte ich nicht verschweigen. Aber der Gedanke des Friedens wurde uns immer wieder vor
Augen geführt.
Ich erinnere mich auch an Begegnungen mit Soldatinnen und Soldaten der damaligen Sowjetunion. Dort begegneten mir Menschen aus
unterschiedlichen Teilen dieses großen Staates – darunter Russen und Ukrainer. Für mich waren sie damals nicht Menschen zweier gegnerischer Länder, sondern Menschen, die miteinander lebten und
dienten.
Der Warschauer Pakt zerfiel 1991, wenige Monate später zerfiel auch die Sowjetunion. Grenzen und Staaten veränderten sich. Menschen aber
blieben Menschen.
Und deshalb frage ich heute:
Wie konnte es so weit kommen, dass Menschen, deren Familien und Lebensgeschichten über Jahrzehnte miteinander verbunden waren,
heute mit Waffen gegeneinander stehen?
Gerade deshalb wünsche ich mir von der Politik viel deutlicher:
Redet miteinander. Sucht Verhandlungen. Haltet Gesprächskanäle offen. Versucht nicht nur, einen Krieg militärisch zu
beeinflussen, sondern arbeitet genauso entschlossen daran, ihn zu beenden.
Frieden entsteht nicht dadurch, dass man die Geschichte verklärt oder schwierige Fragen verschweigt. Frieden braucht Wahrheit,
Aufarbeitung, Sicherheit und die Bereitschaft, dem anderen überhaupt noch zuzuhören.
Waffen können einen Menschen zum Schweigen bringen.
Aber nur Worte können einen Konflikt wirklich besprechen.
Darum bleibt meine Bitte:
Hört endlich auf, den Krieg als Normalzustand hinzunehmen. Redet wieder miteinander – für die Menschen in der Ukraine, für die
Menschen in Russland, für Europa und für alle, die nichts anderes wollen als leben.
??️??
Überarbeitet von Aurora Künstliche Intelligenz mit Freigeist