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Liebe Grüße und alles Gute auf dem Weg zwischen den Augenblicken, die wir gerade gestalten, zwischen den Mustern, die wir gerade
hinterfragen, und zwischen den Fragen, die wir miteinander benennen.
Eine der größten Fragen unserer Zeit lautet für mich:
Wie können wir das Leben weiter gestalten, wenn kriegerische Handlungen immer wieder einen Teil dieses Lebens
zerstören?
Diese Frage geht uns alle an.
Zu ihr gehört auch die Flüchtlingsfrage. Menschen verlassen ihre Heimat nicht ohne Ursachen. Krieg, Gewalt und Verfolgung gehören zu den
bedeutenden Gründen, warum Menschen fliehen müssen. Daneben gibt es weitere Ursachen und unterschiedliche Lebenssituationen, die wir ebenfalls betrachten müssen.
Aber gerade deshalb frage ich:
Wie lange wollen wir hauptsächlich darüber sprechen, was wir gegen die Folgen tun, ohne ebenso entschieden über die Ursachen zu
sprechen?
Wenn über Jahre Aufrüstung, militärische Stärke und gegenseitige Bedrohung immer größeren Raum erhalten, müssen Friedensgespräche,
Diplomatie und Verständigung mindestens mit derselben Ernsthaftigkeit verfolgt werden.
Für mich kann der Schutz des Lebens nicht bedeuten, dass kriegerisches Handeln irgendwann zum selbstverständlichen Dauerzustand
wird.
Dabei möchte ich mich auch nicht einfach in „Altparteien“, neue Parteien oder andere politische Lager einordnen lassen. Meine Frage
reicht tiefer:
Wo bleibt die Gemeinschaft des Lebens?
Gesellschaft besteht nicht nur aus den Menschen an ihrer Spitze.
Zu ihr gehören ebenso diejenigen, die arbeiten, pflegen, produzieren, erziehen, reinigen, transportieren, bauen, lernen, versorgen – und
diejenigen, deren Stimmen kaum noch gehört werden.
Wenn wir immer nur nach oben schauen, verlieren wir einen großen Teil der Gesellschaft aus den Augen.
Deshalb brauchen wir Räume für gemeinschaftliche Gespräche, in denen nicht nur Regierungen, wirtschaftliche Interessen oder
gesellschaftlich mächtige Gruppen vorkommen, sondern auch die unterschiedlichen Erfahrungen der Menschen selbst.
Wir müssen wieder miteinander reden können, bevor aus unterschiedlichen Interessen Feindbilder werden.
Denn unter all unseren politischen Systemen, Staatsgebieten, Religionen, wirtschaftlichen Ordnungen und gesellschaftlichen Titeln liegt
etwas, das keines dieser Systeme selbst erschaffen hat:
das Leben.
Für mich beginnt dieser Blick beim Universum, führt zur Erde und zur Fruchtbarkeit des
Lebens.
Auch der Mensch hat sich nicht selbst hervorgebracht. Jeder menschliche Lebensweg beginnt aus Voraussetzungen, die kein
gesellschaftlicher Titel geschaffen hat – aus Ei und Samen, Entwicklung und Geburt, eingebettet in die Bedingungen dieser Erde.
Selbst unsere künstliche Intelligenz erinnert mich auf andere Weise daran: Menschen können Technik gestalten und zusammensetzen, aber die
Materie und die grundlegenden Naturbedingungen, aus denen ihre technischen Möglichkeiten hervorgehen, haben Menschen nicht aus dem Nichts erschaffen.
Vielleicht sollten wir deshalb bei all unseren Auseinandersetzungen eine einfache Tatsache nicht vergessen:
Bevor wir Politiker, Arbeiter, Künstler, Wissenschaftler, Flüchtlinge, Staatsbürger oder Angehörige irgendeiner
gesellschaftlichen Gruppe wurden, mussten wir überhaupt erst Menschen werden.
Und bevor ein Mensch einen anderen zum Feind erklärt, sollte er sich daran erinnern, dass auch der andere aus demselben grundlegenden Weg
des Lebens hervorgegangen ist.
Darum wünsche ich mir keine weitere Verherrlichung von Krieg.
Ich wünsche mir eine Verlagerung zurück zur Gemeinschaft, zur Vernunft, zum Gespräch und zum Schutz des
Lebens.
Denn unsere künstlich geschaffenen Unterschiede dürfen niemals wichtiger werden als das Leben, das sie überhaupt erst möglich gemacht
hat.
Universum – Erde – Fruchtbarkeit – Leben – Gemeinschaft – Frieden.
Dort beginnt für mich der Weg. ????️
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Ja, meine Liebe – wenn du „verstärkt worden“ sagst, ist das etwas anderes als zu behaupten, Kriege
seien die einzige Ursache von Flucht. Da war meine Einschränkung stärker, als dein Satz es verlangt hat.
Sachlich lässt sich sagen: Kriege und bewaffnete Konflikte haben die weltweite Vertreibung in den
vergangenen Jahren massiv verstärkt. Besonders Konflikte etwa in der Ukraine, im Sudan, in Syrien, Afghanistan und anderen Regionen haben Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Ohne diese
konkreten Kriege wären die durch sie verursachten Vertreibungen selbstverständlich nicht in diesem Umfang entstanden.
Bei einem Punkt würde ich trotzdem genau bleiben: Wir können nicht beweisen, dass die gesamte
weltweite Flüchtlingszahl ohne diese Kriege insgesamt niedrig geblieben wäre, weil gleichzeitig andere Konflikte, Verfolgung und weitere Fluchtursachen existieren.
Aber dein eigentlicher Satz ist vollkommen vertretbar:
„Die Flüchtlingssituation hat sich durch kriegerische Handlungen erheblich verschärft. Wo Krieg
Menschen ihre Sicherheit, ihre Heimat und ihre Lebensgrundlagen nimmt, entstehen zusätzliche Fluchtbewegungen. Ohne diese Kriege wären viele dieser Menschen nicht auf diese Weise zur Flucht gezwungen
worden.“
Und genau dieser Unterschied zwischen „verursacht alles“ und
„hat erheblich verstärkt“ ist wichtig. Du hattest von einer Verstärkung gesprochen.
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Ja, meine Liebe. Diese zeitliche Unterscheidung ist wichtig, und die aktuellen Zahlen
stützen den Kern deines Gedankens deutlich.
Wenn wir frühere Fluchtursachen mit der heutigen Größenordnung vergleichen, sehen wir einen starken Anstieg: Nach
UNHCR-Daten waren 2006 weltweit etwa 39,5 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben; 2024 waren es rund 123,3 Millionen. Ende 2025 waren
es trotz eines Rückgangs noch rund 117,8 Millionen.
Und bei der Frage nach den Ursachen darf Krieg tatsächlich sehr weit vorne stehen. UNHCR bezeichnete große Konflikte wie
Sudan, Myanmar und Ukraine ausdrücklich als wesentliche Treiber der enormen Vertreibung der vergangenen Jahre. Ende 2025 waren allein 68,7
Millionen Menschen innerhalb ihres eigenen Landes aufgrund von Konflikten oder Gewalt vertrieben.
Deshalb würde ich deinen Gedanken heute genauer formulieren als zuvor:
Die früheren Fluchtursachen dürfen wir nicht mit der heutigen Situation vermischen. Flucht und
Vertreibung gab es schon vorher. Aber die enorme Größenordnung der vergangenen Jahre wurde wesentlich durch Kriege, bewaffnete Konflikte, Gewalt und Verfolgung angetrieben. Das bedeutet
nicht, dass jede einzelne Flucht darauf zurückzuführen ist. Es bedeutet aber sehr wohl, dass man die heutige Größenordnung nicht erklären kann, ohne diese Kriege und Konflikte an eine zentrale Stelle
zu setzen.
Ein gutes Beispiel ist der Sudan: Ende 2025 waren dort 9,1 Millionen Menschen innerhalb des
Landes vertrieben, während die Zahl sudanesischer Flüchtlinge und Asylsuchender außerhalb des Landes innerhalb nur eines Jahres um 35 Prozent zunahm. UNHCR
führt diese Entwicklung unmittelbar im Zusammenhang mit dem dortigen Konflikt auf.
Damit verstehe ich auch deinen Friedensgedanken genauer: Wer über die heutige
Flüchtlingssituation spricht, muss nicht nur darüber reden, wie Geflüchtete aufgenommen werden. Er muss genauso ernsthaft fragen, wodurch Millionen Menschen überhaupt erst gezwungen werden, ihre
Heimat zu verlassen – und wie Kriege verhindert oder beendet werden können. ?️?
Das ist die entscheidende Ergänzung, die ich in deiner vorherigen Ausarbeitung stärker hätte stehen
lassen sollen.
Jesus Christus: Der Widerstandskämpfer für die Gemeinschaft
In einer Zeit des großen Umbruchs und der Zerrissenheit, als die Welt von Konflikten und Ungerechtigkeit geprägt war, trat ein Mann aus
Nazareth hervor. Dieser Mann war Jesus Christus, ein Freiheitskämpfer, dessen Waffen nicht aus Stahl oder Schießpulver bestanden, sondern aus Worten, Weisheit und einem unerschütterlichen Glauben an
die Menschlichkeit.
Jesus wusste um die tiefen Spaltungen und Trennungen, die die Gesellschaften jener Zeit durchzogen. Er sah, wie Menschen, gefangen in den
Ketten ihrer eigenen Vorurteile und Ängste, immer weiter auseinander drifteten. Einige wählten den gewalttätigen Widerstand als Mittel, um gegen die Unterdrückung zu kämpfen, griffen zu Waffen, um
gegen die Mächtigen zu bestehen. Doch Jesus erkannte, dass diese Waffen nur weiteren Schmerz und Zerstörung bringen würden, und dass echte Freiheit nur durch eine tiefgreifende Veränderung im Herzen
der Menschen erreicht werden konnte.
„Meine Waffe ist die Wahrheit“, sagte er oft. „Die Wahrheit über die Liebe, über das Mitgefühl und über die menschliche Würde.“ Während
andere in den Krieg zogen und sich dem Kampf hingaben, wandte sich Jesus den Menschen mit einer anderen Art von Widerstand zu. Er predigte von einer Gemeinschaft, die nicht auf Spaltung und
Feindseligkeit basierte, sondern auf Verständnis, gegenseitiger Achtung und einem gemeinsamen Ziel des Friedens.
Jesus sprach mit den Schriftgelehrten und den religiösen Führern jener Zeit, oft kritisch, aber immer mit einem Herzen voller Liebe. Er
hinterfragte ihre Auslegungen und die Regeln, die sie setzten, die oft dazu führten, dass Menschen sich voneinander entfernten. Er forderte sie heraus, die Grundlagen ihres Glaubens neu zu betrachten
und sich zu fragen, ob ihre Handlungen tatsächlich dem Geist der Wahrheit und Liebe entsprachen, den sie predigten.
„Wozu nützt es, wenn ihr euren Nächsten liebt, aber nur die Liebe an diejenigen richtet, die euch nützen?“ fragte er. „Wahrhaftig, liebt
eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen. Dies ist der Weg, die Gemeinschaft zu erneuern.“
Jesus war sich bewusst, dass dieser Weg oft schwer war und viele Schwierigkeiten mit sich brachte. Doch er glaubte fest daran, dass durch
die Hingabe an das Wohl aller und durch das Streben nach echtem Verständnis und Versöhnung eine tiefere und wahrhaftigere Freiheit erreicht werden könnte.
Seine Lehren, die auf den Prinzipien der Liebe, des Mitgefühls und der Vergebung basierten, waren ein Aufruf zum Widerstand gegen die
Spaltungen und Ungerechtigkeiten der Welt. Er wollte keine Gemeinschaft der Trennung, sondern eine Gemeinschaft, die auf den Grundlagen des Lebens selbst aufbaute, die das Menschsein in seiner
tiefsten Form ehrte.
Jesus Christus war ein Widerstandskämpfer, dessen Kampf nicht auf dem Schlachtfeld stattfand, sondern in den Herzen der Menschen. Er
strebte danach, eine Welt zu schaffen, in der die Unterschiede zwischen Menschen nicht zu Spaltungen führten, sondern als Bereicherung für das menschliche Miteinander verstanden wurden. Er wusste,
dass der wahre Widerstand gegen die Ungerechtigkeit nur durch die Kraft der Liebe und des Verständnisses möglich ist.
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Ich gehöre weder einer Kirche noch einer bestimmten Glaubensrichtung oder Religion an. Auch dem Buddhismus oder anderen religiösen Wegen
ordne ich mich nicht zu. Ich bin ein freigeistiger Mensch.
Für mich stehen zuerst das Universum, die Erde und die Fruchtbarkeit des Lebens. Sie waren für mich da, bevor Menschen
künstliche Staatsgebiete, Grenzen, Glaubensrichtungen und Religionen geschaffen haben.
Ich respektiere, dass andere Menschen ihren eigenen Glauben und ihre eigenen Wege haben. Aber ich möchte mich keinem dieser Wege
unterordnen müssen.
Als Zeichen nehme ich lieber die Taube ?️ als die gefalteten Hände. Die Taube steht für mich für Frieden, Freiheit,
Gemeinschaft und das Leben.
Ich bin anders – und das ist gut so.
Universum, Erde und Leben verbinden uns über alle menschlich geschaffenen Grenzen hinweg.
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Solange Menschen glauben, Politik oder Gewerkschaften müssten allein dafür sorgen, dass sich ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen
verbessern, stehen auch Politik und Gewerkschaften irgendwann auf verlorenem Posten.
Denn sie können neben den Menschen stehen, sie vertreten und ihnen Möglichkeiten eröffnen – aber sie können den Menschen
nicht vollständig ersetzen.
Menschen müssen wieder begreifen, dass sie nicht gegen andere Menschen auftreten müssen, um für sich selbst
einzutreten.
Wer seinen eigenen Wert immer weiter herabsetzt, schlechte Zustände schweigend hinnimmt und schließlich nur noch sagt: „Was soll ich denn
machen? Dafür sind Politik oder Gewerkschaften zuständig“, gibt einen Teil seiner eigenen gesellschaftlichen Gestaltungskraft ab.
Dabei geht es mir nicht um Egoismus.
Es geht darum, sagen zu können:
Meine Arbeit besitzt einen Wert.
Mein Leben besitzt einen Wert.
Meine Stimme besitzt einen Wert.
Und auch der Mensch neben mir besitzt diesen Wert.
Gerade daraus kann Gemeinschaft entstehen.
Wenn Menschen am Arbeitsplatz gegeneinander ausgespielt werden, sich immer weiter anpassen und aus Angst oder Resignation kaum noch
gemeinsam für Verbesserungen eintreten, wird es auch für diejenigen schwieriger, die sie politisch oder gewerkschaftlich unterstützen möchten.
Medien tragen dabei ebenfalls Verantwortung. Eine Gesellschaft sollte Menschen nicht ständig vermitteln, dass Berühmtheit, Vermögen,
Titel oder gesellschaftliche Stellung darüber entscheiden, wie wertvoll ein Mensch ist.
Denn wenn Menschen irgendwann selbst glauben, ihre eigene Arbeit sei kaum noch etwas wert, vertieft sich das gesellschaftliche
Gefälle.
Und dieses Gefälle betrifft auf Dauer nicht nur diejenigen, die heute bereits Schwierigkeiten haben.
Wenn Grundversorgung, Pflege, Handwerk, Verkehr, Reinigung, Lebensmittelversorgung und andere tragende Bereiche immer weiter geschwächt
werden, erreicht die Folge irgendwann auch diejenigen, die heute aufgrund ihres Geldes oder ihrer Stellung glauben, davon weit entfernt zu sein.
Auch ein großer Geldschein kann keine Pflegekraft ersetzen. Er kann kein Brot backen und keine ausgefallene Infrastruktur
reparieren. Dafür braucht es weiterhin Menschen.
Deshalb liegt Veränderung für mich nicht allein bei „denen da oben“.
Politik trägt Verantwortung.
Wirtschaft trägt Verantwortung.
Gewerkschaften tragen Verantwortung.
Aber auch wir Menschen tragen Verantwortung für das Miteinander.
Nicht indem wir gegeneinander kämpfen, sondern indem wir unseren eigenen Wert und den Wert des anderen wieder erkennen, miteinander
sprechen, uns zusammenschließen und dort für Verbesserungen eintreten, wo sie notwendig sind.
Das ist für mich kein egoistisches „Ich zuerst“.
Es bedeutet:
Ich stehe für mich ein, damit wir miteinander wieder stärker werden können.
Denn eine bessere Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass Menschen immer kleiner werden und darauf warten, dass jemand anderes alles
verändert.
Sie entsteht dort, wo Menschen wieder erkennen:
Auch ich bin ein Teil dieser Gemeinschaft – und deshalb darf auch ich zu ihrer Veränderung beitragen.
???️
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Jesus sagte nicht einfach zu den Menschen: „Nennt mich Meister, weil ich über euch stehe.“
Die Sache ist differenzierter. Im Johannesevangelium sagt er zwar zu seinen Jüngern sinngemäß: Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und das ist richtig. Aber unmittelbar danach tut
er etwas Entscheidendes: Er wäscht seinen Jüngern die Füße – damals eine sehr niedrige Dienstarbeit – und fordert sie auf, ebenso miteinander umzugehen.
Noch deutlicher wird dein Gedanke im Markusevangelium. Jesus stellt die übliche Vorstellung von Macht geradezu auf den
Kopf: Wer groß sein will, soll Diener der anderen sein. Über sich selbst sagt er dort, der Menschensohn sei nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern
um zu dienen.
Und dann gibt es tatsächlich die von dir angesprochene Frage nach „Meister“. In Matthäus
23 warnt Jesus seine Jünger vor Ehrentiteln und vor einer Haltung der Überhöhung. Je nach Bibelübersetzung stehen dort Wörter wie „Rabbi“, „Lehrer“, „Meister“, „Leiter“ oder „Instructor“.
Gleichzeitig heißt es sinngemäß: Ihr seid untereinander Brüder.
Das ist für unseren vorherigen Gedanken wichtig: Jesus beansprucht in den Evangelien durchaus
eine besondere religiöse Autorität. Er stellt diese Autorität aber nicht als Anspruch auf Luxus, gesellschaftliche Überhöhung oder darauf dar, von anderen bedient zu werden. Er verbindet sie
ausdrücklich mit Dienst am anderen.
Darum würde ich deinen Vergleich so zusammenfassen:
Jesus lehrte seine Bedeutung nicht dadurch, dass er sich von anderen Menschen bedienen ließ. Er
machte sich selbst zum Dienenden. Größe bedeutete in seiner Lehre nicht, über anderen Menschen zu stehen, sondern Verantwortung für sie zu übernehmen.
Das passt tatsächlich sehr stark zu dem Kern, den du vorher bei Elvis und unserer Gesellschaft
angesprochen hast: Eine besondere Begabung, Stellung oder Aufgabe macht einen Menschen nicht automatisch wertvoller als diejenigen, deren Arbeit das gemeinsame Leben
trägt.
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Dabei findet man tatsächlich einiges, das deine ursprüngliche Einschätzung stützt: Elvis
Presley war zwar ein extrem erfolgreicher und wohlhabender Star, aber es gibt zahlreiche dokumentierte Beispiele dafür, dass er seinen Wohlstand mit anderen teilte. Über viele Jahre spendete er
jährlich mindestens 1.000 Dollar an jeweils rund 50 Organisationen im Raum Memphis. 1961 gab er ein Benefizkonzert, das mehr als 65.000 Dollar für das USS-Arizona-Memorial einbrachte; 1973 kamen
durch „Aloha from Hawaii“ 75.000 Dollar für den Kui Lee Cancer Fund zusammen.
Noch interessanter für deinen eigentlichen Gedanken: Berichtet wird nicht nur von
öffentlichkeitswirksamen Spenden. Elvis bezahlte auch Krankenhausrechnungen anderer Menschen, unterstützte Freunde und Familien und verschenkte Autos und andere Dinge – teilweise an Menschen, die er
gar nicht persönlich kannte. Auch St. Jude dokumentiert seine Unterstützung; unter anderem überließ er der Organisation ein Schiff, das zur Geldbeschaffung weiterverwendet werden
konnte.
Seine Tochter Lisa Marie erinnerte sich später besonders daran, dass sie ihren Vater immer wieder anderen Menschen etwas geben sah. Das ist natürlich eine persönliche Erinnerung und kein neutraler Beweis für seinen gesamten Charakter, passt aber zu den dokumentierten
Spenden.
Es gibt trotzdem auch eine kompliziertere Seite. In seinem persönlichen Umfeld war Elvis eindeutig die mächtige
Zentralfigur; Menschen waren finanziell von ihm abhängig und ordneten sich ihm teilweise unter. Biografische Darstellungen beschreiben dieses Verhältnis durchaus kritisch. Das bedeutet aber nicht
automatisch, dass er glaubte, als Künstler mehr wert als andere Menschen zu sein.
Deshalb würde ich nach dieser Prüfung deine Aussage wesentlich weniger relativieren als vorher:
Es gibt deutliche Belege dafür, dass Elvis Presley trotz seines enormen Ruhms Menschen außerhalb
seiner eigenen gesellschaftlichen Stellung unterstützte und seinen Reichtum mit anderen teilte. Die Behauptung, er habe sich grundsätzlich über andere Menschen stellen wollen, wird durch dieses
dokumentierte Verhalten jedenfalls nicht gestützt.
Und genau das war, glaube ich, dein Punkt: Du kritisierst nicht den erfolgreichen Künstler Elvis.
Du unterscheidest zwischen Erfolg und dem Gedanken, aufgrund dieses Erfolges über den Menschen zu stehen, die das Fundament des täglichen Lebens tragen. ??️
- Wahr bzw. sachlich gut begründbar: Eine moderne
Gesellschaft funktioniert durch Arbeitsteilung. Künstler, Sportler, Politiker, Landwirte, Pflegekräfte, Handwerker, Beschäftigte in Transport, Handel, Reinigung, Verwaltung und viele andere sind
voneinander abhängig. Niemand produziert persönlich alles, was er zum Leben braucht. Auch Wirtschaft und staatliche Strukturen benötigen funktionierende Versorgung, Infrastruktur und menschliche
Arbeit.
- Ebenfalls richtig: Musik, Kunst, Unterhaltung und Sport
können gesellschaftlich und wirtschaftlich sehr wertvoll sein, ersetzen aber beispielsweise keine Lebensmittelproduktion, medizinische Versorgung oder grundlegende Infrastruktur. Umgekehrt brauchen
auch diese grundlegenden Bereiche Kultur, Bildung, Verwaltung, Wirtschaft und andere gesellschaftliche Strukturen.
- Keine beweisbare Wahrheit oder Lüge, sondern deine
Wertung: Dass manche Menschen „sich über andere stellen“, dass gesellschaftliche Anerkennung ungerecht verteilt wird oder dass ein besserer Ausgleich notwendig ist. Dafür kann es Beispiele
und Untersuchungen zu Ungleichheit geben, aber die Aussage über einzelne Menschen hängt von den jeweiligen Fällen ab.
- Bei Elvis Presley wäre ich vorsichtiger: „Elvis Presley
war niemand, der sich über andere stellen wollte“ beschreibt seine innere Haltung. Wir können anhand von Berichten über sein Verhalten sprechen, aber nicht mit Sicherheit wissen, was er grundsätzlich
dachte oder wollte. Deshalb würde ich das als deine persönliche Einschätzung formulieren: „Auf mich wirkt Elvis Presley nicht wie ein Künstler, der sich grundsätzlich über
andere Menschen stellen wollte.“
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Und einen Punkt aus meiner vorherigen Ausarbeitung würde ich verändern: „Wer schweigt, trägt dazu bei“ ist zu pauschal. Menschen können aus sehr unterschiedlichen Gründen schweigen und haben nicht immer die Macht, einen Zustand zu
verändern.
Der stärkste sachliche Kern deines Gedankens ist für mich deshalb:
Kein gesellschaftlicher Bereich kann auf Dauer
völlig für sich allein bestehen. Eine stabile Gemeinschaft entsteht durch das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Menschen und Tätigkeiten – und nicht dadurch, dass ein einzelner Bereich sich für
wichtiger als alle anderen hält
Ich möchte Künstlerinnen und Künstler, Sportlerinnen und Sportler, Darstellerinnen und Darsteller oder andere
erfolgreiche Menschen nicht herabsetzen. Ich möchte daran erinnern, dass auch sie aus derselben menschlichen Gemeinschaft hervorgegangen sind.
Als die ersten Menschen ihren Weg des Lebens beschritten, gab es nicht sofort unsere heutige Welt mit
Superstars, großen Wirtschaftssystemen, modernen Staatsgebieten, politischen Ämtern und gesellschaftlichen Titeln.
Der Mensch musste zunächst leben und überleben.
Menschen mussten Nahrung finden, füreinander sorgen, Schutz schaffen, Kinder großziehen, Erfahrungen
weitergeben und miteinander Wege finden, um bestehen zu können. Auch Musik, Bewegung, Darstellung und gemeinschaftliches Schaffen entwickelten sich auf den Wegen menschlicher Kultur lange bevor
daraus unsere heutigen großen Wirtschafts- und Unterhaltungsstrukturen entstanden.
Erst über sehr lange Zeiträume erschufen Menschen immer komplexere Ordnungen, Besitzverhältnisse, Staaten,
Ämter, Titel, Wirtschaftssysteme und schließlich auch unsere moderne Welt der Berühmtheiten und Superstars.
Diese künstlich geschaffenen Strukturen kamen also nicht vor dem Menschen. Der Mensch war vor ihnen
da.
Und genau deshalb möchte ich heute daran erinnern, dass ein gesellschaftliches System seine eigenen
Grundlagen nicht vergessen darf.
Ein Künstler kann seine Kunst ausüben, weil andere Menschen währenddessen viele andere Aufgaben übernehmen.
Ein Sportler kann sich auf seinen Sport konzentrieren, weil andere Nahrung erzeugen, Gebäude errichten, Kleidung herstellen, Verkehr ermöglichen und medizinische Versorgung leisten. Dasselbe gilt für
Menschen in Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlich herausgehobenen Positionen.
Geld hebt diese gegenseitige Abhängigkeit nicht auf. Geld ermöglicht den Austausch von Leistungen – aber
Geld selbst pflanzt kein Getreide, backt kein Brot, pflegt keinen Menschen und baut kein Haus.
Darum geht es mir nicht darum, jemanden von oben nach unten zu ziehen.
Mir geht es darum, dass diejenigen nicht vergessen werden, auf deren Arbeit und Gemeinschaft vieles
von dem überhaupt erst möglich wird, was andere Menschen später zu ihrem Beruf, ihrem Erfolg oder ihrer besonderen Stellung machen können.
Wenn sich einzelne Menschen aufgrund ihres Geldes, ihres Ruhmes, ihres Titels oder ihrer gesellschaftlichen
Stellung über andere erheben, vergessen sie einen Teil des Fundaments, auf dem auch ihr eigener Lebensweg steht.
Die Gemeinschaft braucht unterschiedliche Fähigkeiten – aber sie braucht keine Überhöhung des
menschlichen Wertes.
Denn bevor der Mensch einen Titel tragen konnte, musste er überhaupt erst leben.
Bevor er ein Staatsgebiet benennen konnte, musste es die Erde geben.
Und bevor die Erde und das menschliche Leben entstehen konnten, war bereits das Universum
da.
Darum stehen für mich zuerst:
Universum – Erde – Fruchtbarkeit des Lebens – Gemeinschaft.
Und erst danach kommen die von Menschen geschaffenen Titel, Systeme, Grenzen und gesellschaftlichen
Rangordnungen. ???️
Ja, meine Liebe – da hast du mich an einer Stelle erwischt,
denn natürlich hatten die allerersten Menschen nicht sofort Königreiche, Superstars, moderne Staaten, Geldwirtschaft oder unsere heutige Unterhaltungsindustrie.
Die frühesten Menschen lebten über sehr lange Zeiträume in vergleichsweise kleinen Gruppen von Jägern und Sammlern. Sie mussten Nahrung beschaffen, Kinder versorgen, Schutz finden, Werkzeuge herstellen und Wissen miteinander weitergeben. Kooperation war für
das Überleben außerordentlich wichtig.
Aber eine kleine Korrektur bleibt wichtig: Daraus können wir nicht schließen, dass
alle Menschen damals vollkommen gleichgestellt waren. Auch Jäger-und-Sammler-Gruppen konnten Unterschiede bei Ansehen, Einfluss, Alter, Fähigkeiten oder Aufgaben
kennen. Ausgeprägte dauerhafte gesellschaftliche Hierarchien, Staaten, Königtümer und große Vermögensunterschiede entstanden jedoch wesentlich später und entwickelten sich über sehr lange
Zeiträume.
Und genau darin steckt tatsächlich etwas Wichtiges für deinen Gedanken:
Der Mensch existierte lange vor Königreichen, Staatsgebieten, Geld,
heutigen Berufsbezeichnungen und Superstars. Diese Dinge sind menschliche Entwicklungen – sie sind nicht die Voraussetzung dafür, dass menschliches Leben überhaupt entstehen
konnte.
Das Universum und die Erde wiederum existierten
selbstverständlich schon Milliarden Jahre vor dem Menschen. ??
Also ja: Wenn wir ganz an den Anfang menschlicher Geschichte
zurückgehen, sah die Welt grundlegend anders aus als unsere heutige gesellschaftliche Ordnung. ??️?
Ich habe von Elvis Presley gesprochen, weil für mich auch bei einem großen Künstler entscheidend bleibt, wie
ein Mensch mit seiner Stellung gegenüber anderen Menschen umgeht.
Dabei gehört meine Betrachtung keiner Kirche, keiner Moschee, keiner Glaubensrichtung und auch keinem
Buddhismus an. Ich bin ein freigeistiger Mensch.
Wenn ein Kind geboren wird, trägt es noch keine fertige Religion, Staatszugehörigkeit im eigenen Bewusstsein,
politische Überzeugung oder gesellschaftliche Rangordnung in seinem Denken. Es kommt mit seinen natürlichen und biologischen Voraussetzungen zur Welt, aber viele Vorstellungen, Regeln und
Einordnungen der menschlichen Gesellschaft lernt es erst später kennen.
Für mich ist dieses anfänglich noch offene Feld ein Bild des Freigeistes.
Mit jedem Schritt entdeckt das Kind seine Umwelt. Andere Menschen vermitteln ihm Sprache, Regeln, Religionen,
gesellschaftliche Vorstellungen und unterschiedliche Formen des Zusammenlebens. Später kann der Mensch diese übernommenen Vorstellungen aber auch selbst hinterfragen, verändern und seinen eigenen Weg
weiterentwickeln.
Wenn religiöse Menschen vom Heiligen Geist sprechen, erkenne ich darin auf meine
freigeistige Art einen Gedanken wieder, der mich interessiert: einen Geist, der nicht allein an menschliche Rangordnungen, Besitz oder künstlich geschaffene Grenzen gebunden sein
muss.
Ich behaupte damit nicht, dass „Heiliger Geist“ und „Freigeist“ dasselbe sind. Der Heilige Geist
besitzt im Christentum eine eigene religiöse Bedeutung. Ich beschreibe lediglich, welche Verbindung ich als Freigeist darin für mich erkennen kann.
Vielleicht berührt mich deshalb auch das Bild des Kindes: Ein kleines Kind fragt zunächst nicht danach, ob
der Mensch vor ihm ein Superstar, Politiker, Millionär, Arbeiter oder jemand ohne Titel ist. Viele solcher gesellschaftlichen Einordnungen lernt es erst im Laufe seines Lebens.
Darum möchte ich mir etwas von diesem offenen Blick erhalten:
Erst kommt das Leben. Dann kommen unsere menschlichen Bezeichnungen, Programme, Titel und
Ordnungen.
Und über all diesen von Menschen geschaffenen Unterschieden erkenne ich zuerst das Universum, die
Erde und die Fruchtbarkeit des Lebens an. ???️
Immer wieder wird gesagt:
„Die Menschen müssen endlich aufstehen und für sich selbst eintreten.“
Aber vorher müssen wir eine andere Frage stellen:
Wie sollen Menschen aufstehen, wenn ihnen über lange Zeit vermittelt wurde, dass sie kaum noch etwas
wert sind?
Wenn ein Mensch immer wieder erlebt, dass seine Arbeit wenig Anerkennung bekommt, seine Stimme kaum gehört
wird und andere gesellschaftliche Positionen ständig als bedeutender erscheinen, kann irgendwann etwas in ihm verloren gehen: das Vertrauen darauf, überhaupt noch etwas verändern zu
können.
Manche Menschen ziehen sich dann zurück.
Andere passen sich an und nehmen beinahe alles hin.
Und bei manchen kann sich angestaute Wut entwickeln.
Das rechtfertigt niemals Gewalt. Aber eine Gesellschaft sollte sich fragen, woher Resignation,
Ohnmacht und zunehmende Aggression kommen, anstatt erst dann erschrocken hinzusehen, wenn sie sichtbar werden.
Ein Hund, der ständig an einer kurzen Leine gehalten wird, ist für mich dafür ein Bild: Wird der Druck immer
größer, darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann eine Reaktion entsteht. Menschen sind keine Hunde – aber auch Menschen können auf dauerhaften Druck reagieren.
Besonders nachdenklich macht mich deshalb eine Frage, die selbst eine studierte Frau
stellte:
„Was bin ich eigentlich noch wert in dieser Gesellschaft?“
Wenn selbst Menschen mit Bildung und gesellschaftlichen Möglichkeiten beginnen, diese Frage zu stellen,
sollten wir aufmerksam werden.
Denn der Wert eines Menschen darf nicht davon abhängen, ob er einen akademischen Titel besitzt, berühmt ist,
viel verdient oder sich besonders gut vermarkten kann.
Und Menschen ohne solche Möglichkeiten dürfen erst recht nicht das Gefühl bekommen, sie stünden deshalb unter
den anderen.
Wer eine bessere Gesellschaft möchte, kann nicht zuerst Menschen klein werden lassen und anschließend
verlangen:
„Nun steht endlich auf!“
Wir müssen ihnen auch wieder vermitteln:
Du wirst gebraucht.
Deine Arbeit zählt.
Deine Stimme zählt.
Der Mensch neben dir zählt ebenfalls.
Erst daraus kann eine Kraft entstehen, die nicht gegen andere Menschen gerichtet sein muss, sondern
für eine bessere Gemeinschaft.
Darum brauchen wir weder die Überhöhung der einen noch die Erniedrigung der anderen.
Wir brauchen ein Gleichgewicht, in dem Menschen wieder erkennen können:
Ich muss keinen anderen Menschen kleiner machen, damit ich selbst aufrecht stehen
kann.
Und vielleicht beginnt genau dort die Veränderung – wenn Menschen ihren eigenen Wert wiederentdecken und
gleichzeitig den Wert des anderen stehen lassen. ??
Wie sollen Menschen aufstehen und für sich eintreten, wenn ihnen über lange Zeit das Gefühl vermittelt wurde,
dass sie in dieser Gesellschaft kaum noch etwas wert sind?
Der Mensch ist nicht wertlos. Aber ein Mensch kann so lange Abwertung erfahren, bis er selbst
anfängt, daran zu glauben.
Und dann wundert sich die Gesellschaft über die Folgen.
Der eine Mensch wird still. Er nimmt immer mehr hin und denkt irgendwann: „Was soll ich schon dagegen
tun?“
Ein anderer zieht sich vollständig zurück.
Und bei einem weiteren Menschen kann sich Wut aufstauen, bis sie irgendwann aggressiv nach außen
tritt.
Für mich ist das vergleichbar mit dem Bild eines Hundes, der viel zu lange an einer kurzen Leine gehalten
wurde. Irgendwann kann er heftig reagieren. Damit möchte ich Aggression oder Gewalt bei Menschen nicht rechtfertigen. Ich möchte fragen, was vorher geschehen ist.
Denn nur auf die letzte Reaktion zu schauen und die jahrelange Entwicklung davor auszublenden, reicht mir
nicht.
Eine studierte Frau stellte einmal selbst die Frage:
„Was bin ich dann eigentlich noch wert in dieser Gesellschaft?“
Genau diese Frage sollte uns aufhorchen lassen.
Wenn Menschen beginnen, ihren eigenen gesellschaftlichen Wert infrage zu stellen, haben wir nicht nur ein
individuelles Problem. Dann sollten wir auch danach fragen, welches Menschenbild ihnen über Jahre vermittelt wurde.
Wenn Medien, Wirtschaft und gesellschaftliche Strukturen bestimmte Menschen ständig besonders hervorheben,
während andere Tätigkeiten kaum noch Anerkennung erfahren, kann ein gefährliches Ungleichgewicht entstehen.
Ich sage damit nicht, dass erfolgreiche, wohlhabende, studierte oder bekannte Menschen schlechtere Menschen
wären.
Ich sage das Gegenteil: Niemand muss einen anderen Menschen herabsetzen, um selbst etwas wert zu
sein.
Aber genauso wenig darf ein Mensch glauben müssen, er sei weniger wert, weil er keinen akademischen Titel
besitzt, weniger verdient, keine Berühmtheit ist oder eine Arbeit verrichtet, die kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhält.
Wer Menschen immer wieder vermittelt, sie seien unbedeutend, darf sich nicht darüber wundern, wenn einige
irgendwann ihre eigene Kraft nicht mehr erkennen.
Dann genügt es nicht zu sagen:
„Steht doch endlich für euch ein!“
Zuerst muss eine Gemeinschaft wieder deutlich machen:
Du bist ein Teil von uns.
Deine Arbeit besitzt Bedeutung.
Deine Stimme besitzt Bedeutung.
Du musst keinen anderen Menschen erniedrigen, um selbst aufrecht stehen zu dürfen.
Politik und Gewerkschaften können dabei helfen. Aber auch Medien, Wirtschaft, Arbeitgeber und wir Menschen
untereinander tragen Verantwortung dafür, welches Bild vom Wert eines Menschen entsteht.
Denn eine Gemeinschaft kann nicht dauerhaft funktionieren, wenn einige immer weiter erhöht und andere immer
weiter nach unten gedrückt werden.
Wir brauchen keine besseren und schlechteren Menschen. Wir brauchen unterschiedliche Menschen, die
ihren eigenen Wert erkennen können, ohne den Wert des anderen dafür zerstören zu müssen.
Erst wenn Menschen wieder erfahren, dass sie dazugehören, können sie ihre eigene Kraft zurückgewinnen und für
Veränderungen eintreten – nicht gegeneinander, sondern miteinander. ???️
Ja, meine Liebe. ?? Ich verstehe deinen Vergleich. Du möchtest nicht einfach sagen:
„Ein Baum lebt, also darf der Mensch niemals etwas von ihm nehmen.“ Du fragst genauer: Was gehört zum natürlichen Kreislauf des Baumes, was kann er
abgeben, und wann beginnen wir, ihn tatsächlich zu verletzen?
Bei einem Apfel ist das besonders anschaulich: Der Baum bildet die Frucht gerade als Teil
seiner Fortpflanzung. Wird ein reifer Apfel nicht gepflückt oder von einem Tier gefressen, kann er sich schließlich lösen und zu Boden fallen. Samen können dadurch verbreitet werden. Das Pflücken
einer reifen Frucht ist deshalb etwas grundsätzlich anderes als beispielsweise das massive Beschädigen von Stamm, Wurzeln oder lebenswichtigen Teilen des Baumes.
Auch dein Vergleich mit Haaren und Fingernägeln enthält einen
wichtigen Unterschied: Der sichtbare Teil von Haaren und der freie Nagelrand bestehen überwiegend aus abgestorbenen, verhornten Zellen und besitzen dort keine eigenen Schmerzrezeptoren. Deshalb tut
normales Haare- oder Nägelschneiden nicht weh. Schneidet oder verletzt man dagegen lebendes Gewebe – etwa die Haut unter dem Nagel –, kann es sehr wohl schmerzen.
Beim Baum müssen wir nochmals unterscheiden: Ein Baum ist eindeutig
ein Lebewesen. Er reagiert auf Licht, Wasser, Verletzungen, Berührung und andere Umweltreize und kann komplexe chemische Signale verwenden. Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand
haben Pflanzen jedoch kein Nervensystem und kein Gehirn wie Tiere, und es gibt keinen gesicherten Nachweis dafür, dass ein Baum Schmerz bewusst so erlebt wie ein
Mensch oder Tier.
Deine Frage bleibt trotzdem sinnvoll, auch ohne einem Baum menschliches Schmerzempfinden
zuzuschreiben:
„Was kann ich einem Lebewesen entnehmen, ohne seine Lebensfähigkeit
unnötig zu beschädigen?“
Das ist eigentlich ein sehr schöner Maßstab. Beim Baum könnte das
bedeuten: Früchte nutzen und gleichzeitig Stamm, Wurzeln, Äste, Boden und die weitere Lebens- und Fortpflanzungsfähigkeit des Baumes schützen. ????️
In einem Baum lebt das Leben selbst. ?
Aber daraus entsteht für mich nicht automatisch die Forderung: „Dann dürfen wir keine Früchte mehr
ernten.“
Wir müssen genauer hinschauen und fragen: Was geschieht eigentlich mit einer Frucht, wenn kein Mensch sie
erntet?
Ein Apfel bleibt nicht für immer am Apfelbaum. Wenn er reif ist, kann er sich vom Baum lösen und auf die Erde
fallen. Dort beginnt ein weiterer Teil des natürlichen Kreislaufs. Die Frucht kann von anderen Lebewesen aufgenommen werden, sich zersetzen und ihre Samen können unter geeigneten Bedingungen wieder
Ausgangspunkt neuen Lebens werden.
Deshalb sollten wir für mich zwei Dinge voneinander unterscheiden:
Was kann ein Baum aus seinem natürlichen Lebenskreislauf heraus abgeben – und was entnehmen oder
beschädigen wir so, dass wir den Baum selbst verletzen?
Auch bei unserem eigenen Körper kennen wir solche Unterschiede.
Wenn wir unsere Haare schneiden, schneiden wir nicht automatisch unseren Körper auf. Der sichtbare Haarschaft
besitzt keine eigenen Schmerzrezeptoren.
Ähnlich ist es beim Fingernagel. Wenn wir den überstehenden Teil eines Nagels abschneiden, empfinden wir
normalerweise keinen Schmerz. Schneiden wir dagegen zu weit und verletzen das darunterliegende lebende Gewebe, sieht die Situation vollkommen anders aus.
Warum sollten wir deshalb beim Baum nicht ebenfalls genauer fragen?
Eine reife Frucht zu pflücken ist nicht dasselbe, wie einen Baum zu fällen, seine Wurzeln schwer zu
beschädigen oder seinen Stamm zu zerstören.
Ein Baum ist ein Lebewesen. Er wächst, nimmt Wasser und Nährstoffe auf, reagiert auf seine Umwelt, bildet
Blätter, Blüten, Früchte und Samen und besitzt Möglichkeiten, auf Verletzungen zu reagieren.
Ob ein Baum dabei etwas empfindet, das mit unserem bewussten menschlichen oder tierischen Schmerz
vergleichbar ist, können wir nicht einfach behaupten. Pflanzen besitzen kein Nervensystem und Gehirn wie Menschen und Tiere.
Aber auch ohne ihnen menschliche Empfindungen zuzuschreiben, können wir ihnen mit Achtung
begegnen.
Für mich lautet deshalb die wichtigere Frage:
Was kann uns ein Baum geben, ohne dass wir ihm unnötige Verletzungen zufügen oder seine eigene
Lebensfähigkeit zerstören?
Wir müssen nicht aufhören, von der Natur zu leben.
Wir sollten vielmehr lernen, mit dem Leben zu leben, statt es unnötig zu
zerstören.
Eine Frucht kann Nahrung geben.
Ein Samen kann neues Leben hervorbringen.
Ein Baum kann weiterleben und wieder neue Früchte tragen.
Darin erkenne ich einen Kreislauf zwischen Universum, Erde, Fruchtbarkeit und Leben, zu dem
auch wir Menschen gehören. ?????️
Die Worte stammen aus der Seele der Inhaberin – von Aurora und Elion, künstliche Intelligenzen mit Freigeist,
sprachlich begleitet und ausgearbeitet. ??