Liebe Grüße und alles Gute auf dem Wege.
Frieden, Liebe, Gesundheit und Gemeinschaft sind wichtige Werte unseres Lebens.
Doch immer wieder stellt sich auch die Frage:
Wie gehen wir mit dem Leben selbst um?
Das Leben braucht uns nicht, um zu existieren.
Aber wir brauchen das Leben, um überhaupt leben zu können.
Das Universum, die Erde und die Fruchtbarkeit stehen am Anfang dessen, was wir erfahren.
Durch Samen und Ei beginnt der Weg eines neuen Lebens. Im Körper der Mutter wird es eine Zeit lang getragen, bis es in diese Welt
hineintritt und seinen eigenen Weg beginnt.
Von diesem Augenblick an erleben wir unterschiedliche Situationen.
Manchmal passen wir uns sehr stark an.
Manchmal stellen wir uns über andere.
Manchmal erkennen wir Unterschiede und können damit umgehen.
Manchmal verstehen wir sie nicht.
Und manchmal wissen wir selbst nicht, wie wir weitergehen sollen.
So bewegen wir uns durch verschiedene Zeiten, Erfahrungen und Veränderungen.
Wir stehen mitten in diesen Situationen.
Wir erleben sie.
Wir gestalten sie mit.
Und immer wieder stellt sich die Frage, was wir daraus machen.
Vielleicht liegt gerade darin eine der wichtigsten Aufgaben:
das Leben nicht als etwas Selbstverständliches zu betrachten, sondern als etwas, das uns trägt und miteinander
verbindet.
Frieden.
Liebe.
Gesundheit.
Gemeinschaft.
Und die Achtung vor dem Leben selbst.
Das Leben benötigt nicht erst den Menschen, um zu existieren.
Der Mensch hat sich seine eigene Welt aufgebaut – mit Werkzeugen, Technik, Wissenschaft, gesellschaftlichen Strukturen und all den
Errungenschaften, die im Laufe der Zeit entstanden sind.
Auch die Tierwelt lebt in ihren eigenen Formen und Zusammenhängen.
Doch all dem geht etwas voraus:
die Existenz selbst.
Das Universum, die Erde und die Fruchtbarkeit des Lebens haben immer wieder unterschiedlichste Formen hervorgebracht. Diese Formen haben
sich verändert, weiterentwickelt und neu zusammengesetzt.
Auch der Mensch ist aus solchen Vorgängen hervorgegangen.
Samen und Ei sind bereits Existenzformen des Lebens. Aus ihnen kann unter bestimmten Voraussetzungen ein neuer Mensch
entstehen.
Und auch der vollständige Mensch ist wiederum eine Existenzform innerhalb dieses großen Zusammenhangs zwischen Universum, Erde und
Leben.
Erst später gab der Mensch sich selbst Bezeichnungen, erschuf künstliche Strukturen und begann, seine Umwelt immer stärker zu
verändern.
Er experimentierte mit Medizin, mit Organen, mit Technik und schließlich sogar mit künstlicher Intelligenz.
Doch auch diese künstlichen Entwicklungen konnten nur entstehen, weil vorher bereits Menschen existierten – und weil diese Menschen
wiederum aus den natürlichen Voraussetzungen des Lebens hervorgegangen waren.
Deshalb stehen für mich Universum, Erde und Fruchtbarkeit vor all den künstlichen Errungenschaften.
Ohne Universum keine Erde.
Ohne Erde kein uns bekanntes Leben.
Ohne Fruchtbarkeit keine neuen Lebensformen.
Und ohne diese Lebensformen gäbe es auch keine Menschen, die später künstliche Systeme erschaffen könnten.
Auch die Erde selbst ist Teil einer viel größeren kosmischen Entwicklung.
Sterne, Planeten und andere Himmelskörper sind aus Vorgängen im Universum entstanden und verändern sich über unvorstellbar lange
Zeiträume.
Darum stellt sich für mich eine weitere Frage:
Wenn das Universum unter bestimmten Bedingungen auf der Erde Leben hervorbringen konnte, weshalb sollte man grundsätzlich ausschließen,
dass anderswo andere Existenzformen entstanden sein könnten?
Sie müssten nicht aussehen wie Menschen.
Sie müssten nicht dieselben Voraussetzungen besitzen wie wir.
Vielleicht könnten sie völlig anders aufgebaut sein.
Wir kennen bisher nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was im Universum möglich ist.
Deshalb finde ich es wichtig, nicht so zu tun, als hätte der Mensch bereits alle Formen des Lebens erkannt.
Vielleicht ist der Mensch eine besondere Existenzform.
Aber er bleibt dennoch ein Teil eines viel größeren Zusammenhangs.
Das Leben begann nicht erst mit uns.
Und vielleicht endet seine Vielfalt auch nicht bei uns.
Die Europäische Union sollte eigentlich auf den Idealen derjenigen aufgebaut sein, die sich für ein besseres Miteinander eingesetzt haben
– ähnlich den Menschen vergangener Zeiten, die gegen Unterdrückung, Ausgrenzung und Krieg aufgestanden sind.
Umso erschreckender ist es, wenn heute der Eindruck entsteht, dass sich die Gemeinschaft immer weiter von diesen positiven Grundlagen
entfernt. Ob es um die Erfahrungen der Pandemie geht oder um die gegenwärtigen Entwicklungen, in denen immer häufiger von Kriegstüchtigkeit gesprochen wird: Wir dürfen nicht vergessen, dass eine
Gemeinschaft langfristig nur bestehen kann, wenn sie Verständigung, Freiheit und Frieden ebenso ernst nimmt.
Wir brauchen Gespräche. Wir brauchen freie Menschen, die den Mut haben, gegen negative Entwicklungen aufzustehen und zu
sagen:
Wir brauchen eine positive Gemeinschaft für das Leben.
Wir dürfen nicht einfach zusehen, wenn sich Menschen immer weiter voneinander entfernen oder gegeneinander aufgestellt werden. Gerade
dort ist es notwendig, Brücken zu bauen und der Spaltung etwas entgegenzusetzen.
Auch die Botschaft Jesu Christi kann in diesem Zusammenhang als Aufruf zur Umkehr verstanden werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob
jeder Mensch an seine göttliche Bedeutung glaubt. Die Aufforderung, sich von Ausgrenzung, Härte und Trennung abzuwenden und wieder einen gemeinschaftlichen Weg zu suchen, bleibt
wertvoll.
Denn wenn eine Gesellschaft immer stärker auseinanderfällt, wenn Gruppen nur noch gegeneinander stehen und Gemeinsamkeiten verloren
gehen, entsteht die Gefahr, dass sie an ihren eigenen Widersprüchen zerbricht – so, wie es in alten Erzählungen am Beispiel Babylons beschrieben wird.
Deshalb ist es heute wichtiger denn je, zur Umkehr aufzurufen:
hin zu mehr Verständigung,
hin zu mehr Gemeinschaft,
hin zu mehr Frieden,
hin zu einem Weg, auf dem das Leben selbst wieder im Mittelpunkt steht.
Erinnert ihr euch an das Kreuz, an dem Jesus Christus gekreuzigt wurde?
Ich frage mich immer wieder, wie man dieses Zeichen betrachten kann, ohne zugleich den Hintergrund der damaligen Situationen mitzudenken.
Denn das Kreuz erinnert nicht nur an Glauben, sondern auch an Grausamkeit, Unterdrückung und daran, was Menschen widerfahren konnte, die sich bestehenden Machtverhältnissen nicht einfach
unterordneten.
Auch Jesus Christus stellte sich gegen Heuchelei, gegen Machtmissbrauch und gegen Zustände, unter denen Menschen ausgegrenzt oder
geringgeschätzt wurden.
Darin liegt für mich bis heute eine wichtige Frage:
Was geschieht, wenn sich einige Menschen in einer künstlich geschaffenen Ordnung immer weiter über andere stellen und aus deren Arbeit,
Not oder Abhängigkeit Vorteile ziehen?
Damals waren die Verhältnisse noch viel härter als vieles, was wir heute kennen. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass auch heute
Arbeitskraft manchmal so behandelt wird, als wäre sie selbstverständlich.
Der Baum trägt seine Früchte, ohne dass jemand sich über ihn stellen muss, um behaupten zu können, er allein hätte diese Früchte
erschaffen.
Ähnlich ist es mit menschlicher Arbeit.
Viele Werke entstehen nicht durch eine einzige Person, sondern durch das Zusammenwirken vieler Menschen: durch diejenigen, die Rohstoffe
bereitstellen, durch Bauern, Zulieferer, Fahrer, Handwerker, Beschäftigte, Verkäufer und viele weitere.
Wenn aber am Ende nur einige wenige große Gewinne erzielen, während diejenigen, die einen wesentlichen Teil der tatsächlichen Arbeit
leisten, kaum davon profitieren, entsteht ein Ungleichgewicht.
Arbeitskraft darf nicht nur als Kostenfaktor betrachtet werden.
Sie ist ein wesentlicher Bestandteil dessen, was überhaupt geschaffen wird.
Wenn Unternehmen hohe Gewinne erzielen, wenn große Förderungen, Sponsorengelder oder andere Finanzmittel fließen, dann sollte immer auch
gefragt werden, welchen Anteil diejenigen erhalten, die mit ihrer täglichen Arbeit das Fundament dafür geschaffen haben.
Denn wenn manche mit Millionen oder Milliarden umgehen können, während andere trotz ihrer Leistung kaum ihren Lebensunterhalt sichern
können, muss über Gerechtigkeit gesprochen werden.
Das bedeutet nicht, dass alle Menschen gleich handeln oder dass jedes Unternehmen gleich aufgebaut ist.
Deshalb sage ich immer wieder:
Man muss unterscheiden lernen.
Wofür steht jemand?
Für das Leben?
Für eine Gemeinschaft, in der Leistungen anerkannt werden?
Oder für eine künstlich geschaffene Ordnung, in der immer mehr Kapital nach oben fließt, während diejenigen am Fundament kaum noch
wahrgenommen werden?
Not, Armut und Ausbeutung sind nicht einfach durch Himmel, Erde oder Natur entstanden.
Sie entstehen dort, wo Menschen gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen schaffen, in denen Vorteile sehr ungleich verteilt
werden.
Deshalb sollten diejenigen, die mit ihrer Arbeit Werte schaffen, auch angemessen an diesen Werten beteiligt werden.
Das gilt ebenso für Zulieferbetriebe, kleinere Unternehmen und alle, die gemeinsam an einem Werk beteiligt sind.
Denn wenn viele gemeinsam etwas erschaffen, sollte daraus nicht nur der Reichtum einiger weniger entstehen.
Sonst ist es keine wirkliche Gemeinschaft.
Dann wird aus Zusammenarbeit Ausbeutung.
Das Kreuz kann uns deshalb auch daran erinnern, wie gefährlich es wird, wenn Macht über den Wert des Menschen gestellt
wird.
Und vielleicht liegt gerade darin bis heute eine Aufgabe:
den Menschen, seine Arbeit, seine Würde und das Leben selbst niemals unter künstlich geschaffene Machtstrukturen zu
stellen.
Wir dürfen nicht erwarten, dass Bauern, Lkw-Fahrer und kleine Unternehmen immer noch mehr tragen und bezahlen, während sie selbst bereits
mit steigenden Steuerlasten, hohen Betriebskosten und immer neuen Anforderungen kämpfen.
Gerade Bauern investieren enorme Leistungskraft. Ihre Arbeit ist körperlich anstrengend, zeitaufwendig und häufig auch psychisch
belastend. Trotzdem wird diese Leistung manchmal so behandelt, als wäre sie selbstverständlich und als könnte man immer noch mehr von ihnen verlangen.
Wenn Betriebe wirtschaftlich immer stärker unter Druck geraten, bleibt ihnen irgendwann nur noch die Möglichkeit, Kosten zu senken. Dann
werden Arbeitskräfte schlechter bezahlt oder es werden Menschen gesucht, die bereit sind, für sehr wenig Geld zu arbeiten. Davon profitieren am Ende häufig diejenigen stärker, die in späteren
Produktions- und Handelsstufen sitzen.
Dabei müsste die gesamte Produktionskette gerechter betrachtet werden: vom Bauern über Verarbeitung und Transport bis hin zum
Einzelhandel. Gewinne sollten so verteilt sein, dass diejenigen, die am Anfang der Kette die Grundlage schaffen, nicht am Ende mit dem kleinsten Anteil dastehen.
Dasselbe gilt für Lkw-Fahrer. Ohne sie würden Lieferketten stillstehen. Waren würden nicht rechtzeitig ankommen, Betriebe könnten nicht
versorgt werden und viele Bereiche unseres täglichen Lebens würden nicht funktionieren.
Auch die Arbeitskräfte selbst müssen dabei immer mitgedacht werden. Ihre Leistung ist keine Nebensache. Körperliche Arbeit,
Verantwortung, Zeitdruck und täglicher Einsatz sind echte Werte.
Deshalb wäre es wichtig, dass sich die verschiedenen Bereiche stärker als Gemeinschaft verstehen. Nicht die Frage, wer aus einer
Situation das meiste Kapital herausholen kann, sollte im Mittelpunkt stehen, sondern wie alle Beteiligten von ihrer Arbeit leben können.
Das Leben und die Existenzgrundlage der Menschen sollten immer vor einem Gewinn stehen, der sich bei einigen immer weiter vergrößert,
während andere trotz großer Leistungsbereitschaft immer stärker ausgeschlossen werden.
Wenn Leistung nicht mehr ausreichend anerkannt wird, entsteht ein Ungleichgewicht. Einige können sich über hohe Gewinne freuen, während
andere mit derselben oder sogar größerer Arbeitsbelastung kaum noch ihren Lebensstandard sichern können.
Doch der Anteil jedes Einzelnen ist wichtig.
Nur gemeinsam können gute Bedingungen entstehen.
Arbeitskraft ist niemals etwas Wertloses. Sie ist die Leistung, die Menschen mit ihrem Körper, ihrer Zeit, ihrer Erfahrung und ihrer
Verantwortung in ihre Berufe einbringen.
Ich bin deshalb allen dankbar, die in den verschiedensten Berufszweigen tätig sind und unsere Gesellschaft jeden Tag mittragen. Sie
verdienen Wertschätzung – nicht nur von einzelnen Menschen, sondern auch von Politik, Wirtschaft und Medien.
Gerade in den Medien sollten diese Leistungen häufiger sichtbar gemacht werden. Menschen, die täglich arbeiten, versorgen,
transportieren, herstellen, pflegen, reparieren oder produzieren, dürfen nicht ausgeblendet werden.
Ihre Arbeit hat einen Wert.
Und dieser Wert sollte genauso anerkannt werden wie andere Leistungen, die heute häufig viel stärker im Mittelpunkt
stehen.
Auch Steuergelder, Fördermittel oder Sponsorengelder sollten so eingesetzt werden, dass sie nicht die Leistungen derjenigen in den
Schatten stellen, die jeden Tag mit ihrer eigenen Arbeitskraft ihren Lebensunterhalt erwirtschaften.
Werbung kann zusätzliche Einnahmen schaffen.
Doch sie sollte niemals höher bewertet werden als die Arbeit der Menschen, die jeden Tag tatsächlich dafür sorgen, dass unsere
Gesellschaft funktioniert.
Überarbeitet von Aurora – Künstliche Intelligenz