Liebe Grüße und alles Gute auf dem Wege in die neue Woche.
Möge sie uns freundlich begegnen und möglichst viel Gutes mit sich bringen.
Doch viele Fragen tragen noch immer keine wirkliche Antwort in sich, solange Situationen sich weiter spalten und friedliche Entwicklungen
noch keine Früchte tragen können.
Wenn Trennungen, Gegensätze und traurige Muster weiterhin unsere Welt prägen, müssen wir uns immer wieder fragen:
Wie kann Leben unter solchen Voraussetzungen wirklich gedeihen?
Welche Rahmen haben wir geschaffen – oder übernommen – und welche davon verhindern vielleicht, dass Menschen miteinander statt
gegeneinander leben können?
Wie können wir verhindern, dass immer wieder neue Generationen in alte Muster von Spaltung, Angst und Ausgrenzung
hineinwachsen?
Und vor allem:
Wie können wir gemeinsam eine Gesellschaft gestalten, die mehr Raum für Menschlichkeit, Verständigung, Verantwortung und Frieden
schafft?
Eine gute Zukunft entsteht nicht allein durch Worte. Sie beginnt dort, wo wir bereit sind, einander zuzuhören, aus Fehlern zu lernen und
neue Wege zuzulassen.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine friedvolle, freundliche und hoffnungsvolle neue Woche.
Die vier Jahreszeiten finden wir manchmal auch in uns selbst wieder – in unseren wechselnden Gefühlen, in hellen und dunklen Zeiten, in
Wachstum, Rückzug, Neubeginn und Stillstand.
Doch nicht alles lässt sich allein durch eine positive Haltung verändern. Wenn äußere Umstände bestehen bleiben und wir keinen Einfluss
darauf haben, können auch wir innerlich darin feststecken. Selbst die stärkste Zuversicht kann nicht jede Situation auflösen.
Darum geht es nicht nur darum, positiv zu denken. Es geht auch darum, mit den vorhandenen Umständen zu arbeiten und sich ehrlich zu
fragen:
Wie gehe ich mit dem um, was ich nicht verändern kann?
Was kann ich trotzdem beeinflussen?
Wo muss ich warten, wo handeln, wo loslassen – und wo neue Wege suchen?
So wie die Natur ihre Jahreszeiten nicht überspringen kann, können auch wir manche Lebensphasen nicht einfach umgehen. Aber wir können
lernen, uns in ihnen zu orientieren und Schritt für Schritt unseren eigenen Weg durch sie hindurchzufinden.
, jetzt sind wir tatsächlich an dem Punkt, an dem sich der scheinbare Widerspruch auflöst. Ich habe noch einmal in Trumps eigene Aussagen
aus seiner ersten Amtszeit und sogar aus seinem Wahlkampf davor hineingeschaut.
Du hast mit einem wichtigen Teil deines Gedankens recht: Trump wollte die bisherige Sicherheitsordnung in Europa
verändern. Schon im März 2016 sagte er, die Welt habe sich seit der Gründung der NATO verändert und deshalb müsse sich auch die NATO verändern. Gleichzeitig sagte er ausdrücklich, europäische Staaten
müssten mehr eigene Verantwortung übernehmen und die USA sollten weniger von der Last tragen. In einem Interview formulierte er sogar, Deutschland und andere Länder müssten
möglicherweise irgendwann stärker für ihre eigene Verteidigung sorgen. Roll Call
Auch dein zweiter Punkt ist eindeutig belegbar: Trump wollte gleichzeitig eine andere Beziehung zu Russland. Nach seinem
Treffen mit Putin in Helsinki 2018 sagte er ausdrücklich, er sei mit der Überzeugung in das Gespräch gegangen, dass „Diplomatie und Engagement besser sind als Feindschaft und
Konflikt“. Er sagte außerdem, ein gutes Verhältnis zu Russland sei etwas Positives, gerade weil Russland und die USA große Atommächte seien. Weißes Haus
Und schon im April 2017 sagte er gemeinsam mit NATO-Generalsekretär Stoltenberg etwas, das deinem Gedanken sehr nahekommt: Es wäre
wunderbar, wenn „NATO and our country could get along with Russia“ – also wenn die NATO und die USA mit Russland auskommen könnten. Interessanterweise sagte Stoltenberg unmittelbar
danach ebenfalls, man müsse mit Russland reden und versuchen, einen neuen Kalten Krieg und ein neues Wettrüsten zu vermeiden. NATO
Das heißt: Eigenständigere europäische Staaten und gleichzeitig eine Entspannung gegenüber Russland widersprechen sich nicht
zwangsläufig. Man kann darin durchaus eine politische Linie erkennen: weniger dauerhafte amerikanische Schutzfunktion, mehr Verantwortung der europäischen Staaten und gleichzeitig mehr
direkte Diplomatie zwischen den großen Mächten.
Aber bei einem ganz bestimmten Punkt müssen wir historisch sauber bleiben. Deutschland musste durch Trump nicht erst wieder
souverän werden. Das war bereits durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 geregelt. Darin beendeten die vier Siegermächte ihre Rechte über Deutschland; Artikel 7 stellte ausdrücklich die
volle Souveränität Deutschlands über seine inneren und äußeren Angelegenheiten her. Deutschland bekam ebenfalls ausdrücklich das Recht, selbst über seine Bündniszugehörigkeit zu
entscheiden. German History in Documents and
Images
Deshalb würde ich deine Überlegung etwas anders formulieren: Trump wollte nicht Deutschland erst rechtlich unabhängig machen, sondern
Deutschland und Europa sollten innerhalb ihrer bereits vorhandenen Souveränität mehr eigene politische und militärische Verantwortung tragen.
Und jetzt kommt tatsächlich das Interessante beim Truppenabzug von 2020. Trump selbst erklärte damals ganz direkt: Die amerikanischen
Soldaten seien dort, um Deutschland und Europa zu schützen; Deutschland müsse dafür mehr eigene Verantwortung beziehungsweise höhere Verteidigungsausgaben übernehmen. Er fragte sinngemäß, weshalb die
USA all diese Truppen dort lassen sollten. Das ist wesentlich näher an deinem Gedanken von Eigenständigkeit und weniger dauerhafter Abhängigkeit von amerikanischen Truppen, als meine
vorherige Antwort erkennen ließ. Weißes Haus
Allerdings kann ich nach den Originalquellen nicht belegen, dass Trump den Abzug ausdrücklich als Teil eines fertigen
Friedenskonzepts plante, bei dem anschließend Russland, Deutschland, die USA und die übrigen ehemaligen Alliierten eine völlig neue gemeinsame Organisation bilden sollten. Das wäre eine weitergehende
Interpretation. Dafür habe ich in seinen damaligen offiziellen Aussagen keinen entsprechenden Beschluss gefunden.
Aber der Grundgedanke, den du beschreibst, ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges
gab es tatsächlich schon einmal genau diese historische Richtung: Deutschland erhielt seine volle Souveränität, die Sowjetunion zog ihre Truppen ab, die Ost-West-Konfrontation sollte
überwunden werden und eine neue europäische Friedensordnung sollte entstehen. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag spricht sogar von der Überwindung der Teilung Europas und einer friedlichen
Ordnung. The
American Presidency Project
Und Trump stellte Jahrzehnte später wiederum Fragen wie: Warum bestehen Strukturen aus dem Kalten Krieg unverändert weiter? Warum
tragen die USA so viel davon? Warum können wir nicht mit Russland auskommen? Warum übernimmt Europa nicht stärker selbst Verantwortung? Schon 2016 begründete er seine Kritik an der NATO
ausdrücklich damit, dass sie ursprünglich für eine Welt mit der Sowjetunion geschaffen worden sei und sich die Welt inzwischen verändert habe. Roll Call
Das ist wahrscheinlich genau die Verbindung, die du im Kopf hattest, meine Liebe. ??️
Und daraus ergibt sich sogar eine ziemlich spannende nächste Frage: Was wäre eigentlich aus der ursprünglichen Friedensordnung
von 1990 geworden, wenn nach Auflösung des Warschauer Pakts nicht wieder eine immer stärkere Ost-West-Gegnerschaft entstanden wäre, sondern Russland dauerhaft in eine gemeinsame europäische
Sicherheitsstruktur eingebunden worden wäre? Da können wir nämlich noch viel tiefer hineingehen – mit den Vereinbarungen von 1990, der NATO-Russland-Grundakte von 1997 und dem
NATO-Russland-Rat von 2002. Genau dort liegt der historische Schlüssel zu deinem Gedanken.
, jetzt verstehe ich deinen Gedanken noch genauer. Du sprichst nicht nur von Truppen, sondern von der Frage, ob 1990 aus der
Wiedervereinigung Deutschlands auch eine vollständig neue staatliche und sicherheitspolitische Ordnung hätte entstehen können.
Dabei ist ein wichtiger Teil deiner Erinnerung richtig: Das Grundgesetz war 1949 tatsächlich bewusst als Ordnung für eine Übergangszeit
entstanden. Nach der Einheit 1990 wurde aber politisch entschieden, nicht eine völlig neue Verfassung zu schaffen, sondern die DDR nach dem damaligen Artikel 23 dem Geltungsbereich
des Grundgesetzes beitreten zu lassen. Gleichzeitig wurde Artikel 146 neu gefasst. Dort steht bis heute, dass das Grundgesetz seine Gültigkeit verliert, wenn das deutsche Volk in freier Entscheidung
eine neue Verfassung beschließt. Der Einigungsvertrag empfahl damals sogar ausdrücklich, sich mit der Anwendung von Artikel 146 und einer möglichen Volksabstimmung zu befassen. bpb.de
Das heißt: Ein anderer verfassungsrechtlicher Weg wäre grundsätzlich denkbar gewesen. Man hätte 1990 eine
verfassungsgebende Debatte führen und anschließend eine neue gesamtdeutsche Verfassung beschließen können. Politisch wurde jedoch der Beitrittsweg gewählt. Daraus folgt allerdings nicht, dass
Deutschland deshalb rechtlich unvollständig souverän geblieben wäre. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag ist hier sehr eindeutig: Die vier Mächte beendeten ihre Rechte und Verantwortlichkeiten in Bezug auf
Berlin und Deutschland als Ganzes, und das vereinigte Deutschland erhielt „volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten“. bpb.de
Genau an dieser Stelle würde ich deinen Gedanken deshalb etwas anders formulieren: Man kann darüber diskutieren, ob Deutschland
nach 1990 politisch einen eigenständigeren Weg hätte einschlagen können. Rechtlich durfte es das aber bereits. Die Fortsetzung der NATO-Mitgliedschaft war keine Fortsetzung alliierter
Besatzungsrechte. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag sagt sogar ausdrücklich, dass Deutschlands Recht, Bündnissen anzugehören, unberührt bleibt. Deutschland blieb also aus eigener staatlicher Entscheidung
Mitglied der NATO.
bpb.de
Und auch deine Gegenüberstellung mit dem Warschauer Pakt, ich denke, das war das Wort, das deine Spracherkennung gerade
etwas verändert hat ?, ist historisch interessant: Dieser wurde 1991 aufgelöst. Damit verschwand der östliche Militärblock, während die NATO bestehen blieb und später erweitert wurde. Man kann
durchaus die politische Frage stellen, ob nach 1990 stattdessen eine neue gesamteuropäische Sicherheitsordnung unter Einbeziehung Russlands hätte stärker entwickelt werden können.
Das war damals tatsächlich Gegenstand verschiedener Vorstellungen über die Zukunft Europas.
Bei Trump muss ich aber weiterhin zwischen diesem größeren historischen Gedanken und dem belegbaren Grund für seinen konkreten
Truppenabzug unterscheiden. Trump wollte eindeutig, dass Deutschland und andere europäische Staaten mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung übernehmen. Er sagte 2020 selbst,
die US-Truppen seien zum Schutz Deutschlands und Europas dort, und fragte, warum die USA diese Last weiterhin in diesem Umfang tragen sollten. Weißes Haus
Das passt also durchaus zu deinem Gedanken von mehr deutscher beziehungsweise europäischer Eigenverantwortung. Was ich
anhand seiner eigenen Aussagen jedoch nicht belegen kann, ist, dass Trump den Truppenabzug ausdrücklich mit Artikel 146 des Grundgesetzes, einer neuen deutschen Verfassung oder einer noch
nicht vollendeten deutschen Wiedervereinigung begründet hätte. Dafür finde ich in seinen damaligen Aussagen keinen Nachweis.
Vielleicht liegt genau dort die Vermischung, die wir gerade gemeinsam auseinanderziehen: Es gab 1990 die Möglichkeit einer
anderen verfassungspolitischen Gestaltung Deutschlands, gleichzeitig die Idee einer neuen europäischen Friedensordnung nach Auflösung der Blöcke, und Jahrzehnte später Trump mit seiner
Forderung nach weniger amerikanischer Last und mehr europäischer Eigenverantwortung. Diese Gedanken lassen sich politisch miteinander in Beziehung setzen – aber sie waren nicht ein einziges
von Trump beschlossenes Programm.
Und eines möchte ich besonders festhalten, weil es für deine spätere Ausarbeitung wichtig sein könnte: Artikel 146 ist keineswegs
verschwunden. Er steht heute noch im Grundgesetz. Eine neue, vom deutschen Volk frei beschlossene Verfassung wäre verfassungsrechtlich also weiterhin denkbar. Das bedeutet aber nicht, dass
das heutige Grundgesetz nur noch ein rechtlich unvollständiges „Provisorium“ wäre; seit 1990 gilt es ausdrücklich für das gesamte deutsche Volk. Gesetze im Internet
Wenn wir das weiter untersuchen, würde ich als Nächstes tatsächlich 1990 bis 1994 ganz genau chronologisch nebeneinanderlegen:
Zwei-plus-Vier-Vertrag, Artikel 146, Abzug der sowjetischen Truppen, Verbleib der westlichen Truppen und Auflösung des Warschauer Pakts. Dann sieht man sehr deutlich, welcher neue
Kurs damals möglich war und welcher tatsächlich gewählt wurde.
Als Olaf Scholz in den 1980er-Jahren führender Juso war, also noch während die DDR bestand, gehörte er zu den deutlichen Gegnern der
damaligen NATO-Nachrüstung. Von 1982 bis 1988 war er stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos. Deutscher Bundestag
Besonders klar ist das beim NATO-Doppelbeschluss und der Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen in
Westeuropa. Scholz nahm 1981 an den großen Friedensdemonstrationen gegen die NATO-Nachrüstung teil und sagte später selbst, er habe diese als Juso-Vertreter sogar mitorganisiert. olaf-scholz.spd.de
Noch deutlicher wird es 1987: Scholz reiste in die DDR und nahm in Wittenberg an einer Veranstaltung der FDJ und der internationalen
Friedensbewegung teil. Dort ging es um einen atomwaffenfreien Korridor in Mitteleuropa und um Abrüstung. Die ARD hat einen damaligen Originalton von ihm archiviert; seine zentrale
Aussage lautete, Frieden und Sicherheit müssten politisch und nicht militärisch hergestellt werden. SWR
Deshalb würde ich es so formulieren: Der junge Olaf Scholz war nicht einfach grundsätzlich gegen jede Form der
NATO-Mitgliedschaft Deutschlands, aber er war damals sehr deutlich gegen die atomare Aufrüstung und gegen die NATO-Nachrüstungspolitik. In seinen damaligen politischen Texten ging seine
Kritik teilweise sogar noch weiter und richtete sich grundsätzlich gegen die damalige Rolle der NATO. Wikipedia
Und das passt tatsächlich zu dem größeren Zusammenhang, über den wir gerade gesprochen haben: In den 1980er-Jahren gab es innerhalb der
SPD, der Jusos und der Friedensbewegung die starke Vorstellung, Sicherheit nicht durch immer mehr Waffen, sondern durch Abrüstung, Gespräche und Entspannung zwischen Ost und West
aufzubauen.
Das Spannende ist deshalb: Der heutige Scholz vertritt sicherheitspolitisch eine ganz andere Position als der junge Scholz der
1980er-Jahre. Diese Veränderung lässt sich historisch ziemlich genau nachzeichnen.
Trump sagte schon vor und während seiner ersten Amtszeit immer wieder zwei Dinge gleichzeitig: Europa – und besonders
wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland – sollte mehr eigene Verantwortung für seine Sicherheit übernehmen, und gleichzeitig wollte er das Verhältnis zu Russland beziehungsweise
zu Präsident Putin verbessern. Seine Regierung formulierte 2017 ausdrücklich, Europas Verteidigung brauche auch Europas eigenes Engagement. Weißes
Haus
Auch beim konkreten Truppenabzug aus Deutschland 2020 sagte Trump selbst, die USA schützten Deutschland und Europa und Deutschland müsse
dafür wesentlich mehr eigene Verantwortung beziehungsweise Kosten übernehmen. Er begründete die Reduzierung also ausdrücklich mit der Frage, warum die USA diese Schutzfunktion weiterhin in diesem
Umfang tragen sollten. Weißes Haus
Und zu Russland ist die Linie ebenfalls klar belegt. Nach seinem Treffen mit Putin 2018 sagte Trump, mit Russland auszukommen sei
etwas Gutes, gerade weil beide Länder große Atommächte seien. Er sagte außerdem, er sei mit der Überzeugung in das Treffen gegangen, dass Diplomatie und Zusammenarbeit besser seien
als Feindschaft und Konflikt. Weißes Haus
Deshalb widerspricht sich das nicht: Trump konnte zugleich fordern, dass Deutschland und Europa weniger dauerhaft von
amerikanischem militärischem Schutz abhängig sein sollten, und versuchen, die direkte politische Beziehung zu Russland zu verbessern.
Nur bei einem Punkt müssen wir weiterhin vorsichtig bleiben: Ich finde keinen belastbaren Beleg dafür, dass Trump dies ausdrücklich als
deutsches Verfassungs- oder Wiedervereinigungsprojekt bezeichnet hätte. Das ist eine weitergehende historische Interpretation. Was aber eindeutig dokumentiert ist, sind die beiden
Bausteine, die du ansprichst: mehr europäische Eigenverantwortung und ein anderes, kooperativeres Verhältnis zu Russland.
Und du hast auch recht mit deinem Hinweis, dass man historische Politik nicht immer auf einen einzigen wörtlichen Satz reduzieren kann.
Man muss oft mehrere Aussagen und Entscheidungen nebeneinanderlegen, um die politische Richtung zu erkennen. Bei Trump ergibt sich aus den Quellen tatsächlich dieses Spannungsfeld:
weniger amerikanische Last in Europa, mehr Verantwortung der europäischen Staaten – und gleichzeitig der erklärte Wunsch nach einer besseren Verständigung mit Russland. Weißes
Haus
Wenn wir daraus später einen Text für „Fantasie des Lebens“ machen, würde ich genau diese Unterscheidung beibehalten:
Was ist eindeutig historisch belegt – und welche größere politische Möglichkeit lässt sich daraus ableiten? So bleibt dein Gedanke stark, ohne etwas als Tatsache auszugeben, wofür es
keine direkte Quelle gibt.
Die USA bezahlen nicht allein „die NATO“ oder sämtliche Kosten ihrer Truppen in Europa. Die NATO wird gemeinsam
finanziert. Für die gemeinsamen NATO-Haushalte gilt eine feste Kostenverteilung: Deutschland trägt 2026/27 rund 14,9 %, die USA ebenfalls einen großen Anteil, und zusammen tragen die
europäischen NATO-Staaten insgesamt einen sehr erheblichen Teil. NATO
Bei den US-Truppen in Deutschland ist es aber noch einmal etwas anderes: Die laufenden Kosten der amerikanischen
Streitkräfte selbst trägt grundsätzlich zunächst der US-Verteidigungshaushalt. Deutschland übernimmt jedoch als Gastgeber ebenfalls Kosten und Leistungen, etwa Infrastruktur, Flächen, bestimmte
Baumaßnahmen oder andere sogenannte Host-Nation-Unterstützung. Deshalb wäre sowohl die Aussage „Deutschland bezahlt alles“ als auch „die USA bezahlen alles allein“ zu einfach.
Und zu deinem zweiten Punkt: Die USA unterhalten tatsächlich ein weltweites Netz von Militärstandorten. Die oft genannte
Zahl von ungefähr 800 Stützpunkten stammt allerdings aus älteren und sehr weit gefassten Zählungen, bei denen auch kleinere Einrichtungen und verschiedene Arten von Standorten
mitgerechnet wurden. Heute hängt die Zahl stark davon ab, was man überhaupt als „Stützpunkt“ zählt. Allein in Europa verfügen die USA aber weiterhin über zahlreiche dauerhafte Einrichtungen und
Zehntausende Soldaten; Ende 2025 waren laut Reuters rund 68.000 dauerhaft zugewiesene US-Soldaten in Europa, davon mehr als 36.000 in Deutschland. Reuters
Was Trump damals meinte, war deshalb auch nicht schlicht: „Amerika bezahlt die ganze NATO.“ Seine Kritik richtete sich vor allem auf ein
anderes Verhältnis: Die europäischen Staaten sollten nach seiner Auffassung deutlich mehr für ihre eigene Verteidigung ausgeben und weniger auf amerikanische militärische Fähigkeiten
angewiesen sein.
Und da berührst du einen wichtigen Punkt unserer vorherigen Diskussion: Wenn Deutschland und Europa tatsächlich mehr
Eigenständigkeit übernehmen sollen, kann das theoretisch auch bedeuten, dass weniger amerikanische Truppen dauerhaft in Europa stationiert werden müssen. Das ist eine andere Frage als die
bloße Rechnung, wer welchen NATO-Euro bezahlt.
Übrigens sagt die NATO selbst ausdrücklich, dass man die amerikanischen Verteidigungsausgaben nicht einfach mit „Amerika bezahlt Europa“
gleichsetzen darf: Ein großer Teil des US-Militärhaushalts betrifft Verpflichtungen außerhalb Europas und außerhalb der NATO. NATO
Das wäre für unsere historische Betrachtung also die sauberere Formulierung: Europa trägt erhebliche eigene Kosten; die USA
stellen zugleich besonders viele teure militärische Fähigkeiten bereit. Trumps Streit mit Deutschland drehte sich vor allem darum, wie diese Verantwortung künftig verteilt werden
sollte.
Bei den direkten gemeinsamen NATO-Haushalten tragen die USA derzeit nicht den Löwenanteil allein. Für
2026–2027 liegt der US-Anteil bei rund 14,9 %. Deutschland liegt ebenfalls bei rund 14,9 %. Frankreich trägt etwa 10,1 %, Italien rund 8,0
%, Kanada etwa 6,6 %; dazu kommen alle anderen Mitgliedstaaten. Zusammengenommen zahlen die europäischen NATO-Staaten also deutlich mehr in diese gemeinsamen NATO-Töpfe ein
als die USA allein. NATO
Anders sieht es bei den gesamten nationalen Verteidigungsausgaben aus. 2025 entfielen laut NATO auf die USA ungefähr
60 % der gesamten Verteidigungsausgaben aller NATO-Staaten. Die europäischen NATO-Staaten plus Kanada kamen zusammen auf ungefähr 574 Milliarden US-Dollar. Das liegt
daran, dass der riesige amerikanische Verteidigungshaushalt nicht nur Europa betrifft, sondern auch US-Streitkräfte, Flotten, Atomwaffen, Stützpunkte und Einsätze auf der ganzen Welt
finanziert. NATO
Und genau deshalb war meine frühere Formulierung zu grob: Wenn man sagt, „die USA tragen die Hauptlast der NATO“, muss man immer fragen:
Welche Last?
Bei den eigentlichen NATO-Gemeinschaftshaushalten: nein, dort zahlen die USA nicht alles und heute sogar ungefähr
genauso viel wie Deutschland.
Bei den gesamten Militärausgaben: ja, dort geben die USA mit Abstand am meisten aus — aber ein erheblicher Teil davon
dient ihren weltweiten amerikanischen Interessen und kann nicht einfach als Geld für Europas Verteidigung gerechnet werden. Die NATO weist selbst darauf hin, dass nationale
Verteidigungshaushalte viel größer sind als die gemeinsam finanzierten NATO-Budgets. NATO
Und bei den amerikanischen Truppen in Europa gibt es noch eine dritte Ebene: Die USA bezahlen ihre Soldaten und den Betrieb ihrer
Streitkräfte, während europäische Gastgeber ebenfalls Infrastruktur und andere Unterstützungsleistungen beitragen. Historisch war Deutschland dabei ein bedeutender Gastgeber; eine US-Rechnung
bezifferte Deutschlands Host-Nation-Unterstützung schon 1999 auf rund 1,4 Milliarden Dollar. Gao
Dein Einwand war also berechtigt: „Amerika bezahlt Europa“ ist als pauschaler Satz nicht richtig. Man muss
Gemeinschaftshaushalt, nationale Militärausgaben und Kosten der Stationierung auseinanderhalten. Genau dann wird das Bild wesentlich klarer.